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| ==Mark de Boer== | | ==Mark de Boer== |
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- | Dieser Teil des Logbuchs ist noch nicht erstellt.
| + | Toreen Akida lief unruhig in seinem Quartier auf und ab. Er war sich durchaus bewusst, dass die Crew der Katana ihn nicht mochte. Aber das war ihm völlig egal. Sein einziges Augenmerk galt seinen Aufgaben und seiner Mission. Dafür stellte er alles andere zurück und erbrachte jedes erdenkliche Opfer. Er war ein Perfektionist und hatte diese Mission bis ins kleinste Detail durchgeplant. Und nun brachte dieser eine verschlüsselte Funkspruch alles in Gefahr. Sicher, es war gut, einen Verbündeten auf Romulus zu haben. Aber solange nicht klar war, wer dies war und welche Ziele er verfolgte, wollte er sich nicht zu sehr auf Mister X verlassen. Es konnte ebenso gut auch nur eine Falle der Drakh oder der Romulaner sein, die die Katana dazu bewegen wollten, sich zu verraten. |
| + | All das hatte er berücksichtigen müssen, als er seinen Plan überarbeitet hatte. |
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| + | Er war bei seinem Grundablauf geblieben, hatte jedoch ein paar Änderungen vorgenommen. Er fand es geradezu naiv, wie die Führungscrew auf den Funkspruch reagiert hatte. Als ob man in diesem Stadium der Mission mal eben alles umwerfen könnte. Er hatte hart und lange daran gearbeitet, um alles zu arrangieren, die beiden romulanischen Captains und deren Crews umzudrehen und die nötige Infrastruktur auf Romulus zu schaffen. Er konnte nicht einfach einen Ersatzplan aus den Ärmeln schütteln. Also hatte er lediglich einige Punkte verändert und noch mehr Sicherheitsmaßnahmen eingeplant. Aber dafür benötigte er diesmal die Unterstützung der Crew. Ihm behagte es nicht, von den anderen abhängig zu sein. Und wie die bisherigen Treffen gelaufen waren, dürfte das eine sehr harte und nervenaufreibende Diskussion geben. |
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| + | Er seufzte, als er an das bevorstehende Treffen mit der Führungscrew dachte. Momentan wäre ihm sogar eine Konfrontation mit den cardassianischen Wärtern von Batal lieber. |
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| + | In Gedanken ging er alles noch einmal durch. Er hatte unzählige Male verschiedene Szenarien durchgespielt und hatte sich Antworten und Argumente zurechtgelegt für die Einwände, die er erwartete. Schließlich schloss er die Augen und konzentrierte sich auf seinen Ruhepunkt, wie es ihm Vedek Matai beigebracht hatte. Als er sie wieder öffnete, strahlte er die unerschütterliche Ruhe aus, die alle anderen von ihm kannten. Er nahm einen letzten Schluck seines Jumja-Tees und verließ sein Quartier in Richtung Konferenzraum. |
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| + | Im Besprechungsraum herrschte eine angespannte Stille. Nach und nach trafen alle ein. Ebbersmann nickte jedem Neuankömmling freundlich zu und beobachtete diesen für einen Moment. In den meisten Gesichtern stand hohe Konzentration, aber auch teilweise Beunruhigung. Diese Mission forderte von vielen Crewmitgliedern einen hohen persönlichen Einsatz. Er hob den Kopf, als Seeta Yadeel eintrat. Sie sah müde und erschöpft aus. Ihre gesamte Körperhaltung drückte alles andere als Zuversicht aus. Die junge Frau hatte aktuell drei Fronten, an denen sie zu kämpfen hatte. Ebbersmann beobachtete sie, als sie sich zum XO und dem Wissenschaftsoffizier gesellte und leicht den Kopf schüttelte. |
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| + | Toreen betrat den Raum und sah sich misstrauisch um. Er warf jedem der Anwesenden einen kurzen Blick zu und runzelte dann die Stirn. Dann nahm er direkt gegenüber der Tür Platz. „Ah, Lieutenant Commander Toreen. Schön, dass Sie da sind. Dann können wir ja anfangen.“, begrüßte der Captain ihn. Akida schüttelte den Kopf und wollte gerade etwas erwidern, als eine weitere Person eintrat. |
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| + | „Doctor Maddigan… Was machen Sie denn hier?“, fragte Ebbersmann erstaunt. „Ich bin auf besonderen Wunsch von Lieutenant Commander Toreen hier. Wieso genau, weiß ich aber noch nicht.“ |
| + | „Er wird in einem Punkt des Plans sehr wichtig sein. Daher hatte ich ihn mit eingeladen.“, erklärte der Bajoraner. „Aber lassen Sie uns das zu gegebener Zeit besprechen.“ |
| + | „Nun gut.“, ergriff Benjamin Ebbersmann das Wort. „Sie alle wissen, warum wir hier sind. Lassen Sie uns alle nötigen Punkte durchsprechen. Haben Sie noch etwas über die Botschaft herausgefunden?“ Er sah Dalen Lazarus an. |
| + | „Ich habe alles noch einmal überprüft und kann mit Sicherheit sagen, dass die Nachricht tatsächlich aus dem Prätoriat gesandt wurde. Außerdem scheint die Person über einen höheren Bildungsstand zu verfügen.“ |
| + | „Wie kommen Sie denn darauf?“ |
| + | „Der Text deutet darauf hin.“ |
| + | „Aber das waren doch nur ein paar Worte?!?“ |
| + | „Ja, aber es war die Wortwahl und die vollkommen korrekte, aber äußerst selten gebräuchliche Grammatik. Dies war niemand, der das Standard-Romulanisch spricht und schreibt.“ |
| + | „Und es war jemand, der nicht so verzweifelt ist, wie seine Nachricht uns glauben machen soll.“, ergänzte der Geheimdienstler ruhig. |
| + | „Woraus schließen Sie das?“, fragte Lazarus erstaunt. |
| + | „Er ist sehr vorsichtig, also hat er noch eine Menge zu verlieren…“ |
| + | „Ja, sein Leben zum Beispiel!“, warf Yadeel süffisant dazwischen. |
| + | „Wenn die Situation so aussichtslos für ihn wäre, würde er ein größeres Risiko eingehen.“, fuhr der Bajoraner ruhig fort. „Er hat eine Botschaft ins All geblasen, die mit dem Hintergrundrauschen getarnt war. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir das richtige Stückchen Rauschen analysieren und die Nachricht entdecken? Eins zu x-Millionen!“ |
| + | „Hmm, das klingt logisch.“, bestätigte Dalen Lazarus. „Ich bin geneigt, Ihnen in diesem Punkt zuzustimmen.“ |
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| + | „Vielen Dank für den Einblick in das Wesen dieser Person. Ich bin überrascht, was man aus diesen paar Worten alles herauslesen kann. Gute Arbeit von Ihnen beiden.“, lobte Ebbersmann. „Konnten Sie eine Möglichkeit entdecken, wie wir auf die Nachricht reagieren können?“ Sein Blick wanderte zwischen dem XO und der Chefingenieurin hin und her. |
| + | „Hier sind wir leider kein Stück weiter gekommen.“, begann die Zanderianerin zögerlich. „Wir haben die Nacht über verschiedene Verfahren und Möglichkeiten diskutiert. Ich habe heute noch einige Tests gemacht…“ |
| + | „Was?!? Sie haben mit der Katana Signale ausgesandt?!?“, rief Toreen erschrocken aus. |
| + | „Natürlich nicht!“, funkelte die Frau ihn giftig an. „Ich bin doch keine Idiotin! Was glauben Sie denn??? Ich habe verschiedene Tests gemacht – im Maschinenraum! Leider ohne brauchbares Ergebnis. Bei jeder Übertragung von uns, die empfangen wird, kann man den Ursprung identifizieren. Und wenn man Romulus als Ziel nimmt, lassen sich recht leicht die wahrscheinlichsten Wege von hier dahin extrapolieren.“ |
| + | „Lässt sich nicht der gleiche Weg benutzen wie bei der Ausgangsnachricht?“, fragte Ramirez nach. |
| + | „Nein, auch die lässt sich zurückverfolgen.“, schüttelte Andersson den Kopf. „Ich sehe hier keine Möglichkeit, unbemerkt eine Nachricht zu verschicken, die wirklich nur den einen, richtigen Empfänger erreicht.“ |
| + | „Um ehrlich zu sein, bin ich gar nicht enttäuscht darüber, dass wir nicht antworten können.“, meinte Akida. |
| + | „So? Bitte erläutern Sie das.“, hakte Benjamin Ebbersmann schärfer als geplant nach. Ihn nervte diese Art des Bajoraners, die irgendwie nur laut zu verkünden schien: „ICH BIN GEGEN EUCH!“ |
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| + | Der Verbindungsoffizier stand auf und ergriff das Wort. „Erstens wissen wir nichts über den Absender. Ist er wirklich ein Verbündeter, der Hilfe benötigt, oder handelt es sich um eine Falle, in die wir gehen sollen? Ich sehe die Verzweiflung bei ihm nicht. Also wer sagt uns, dass er uns nicht aus der Deckung locken will damit?“ |
| + | Der Bajoraner sah alle einen Moment an, bevor er fortfuhr: „Zweitens wissen wir nicht, wer diese Person ist. Selbst wenn wir die Nachricht unbemerkt in das Prätoriat bekämen – wer sollte sie erhalten? Die Gefahr, dass ein Falscher die Nachricht entdeckt, ist einfach zu riesig. Drittens hat der romulanische Abhördienst seine Aktivitäten im eigenen Raum und insbesondere um Romulus in den vergangenen Monaten vervielfacht. Es wird nahezu jeder Funkspruch analysiert. Glauben Sie mir: Eine Nachricht unbemerkt nach Romulus zu schicken, ist aktuell praktisch nicht möglich. Vom Prätoriat mal ganz zu schweigen…“ Er blickte Seeta Yadeel durchdringend an, bis diese etwas unwohl auf ihrem Sitz hin- und her rutschte. |
| + | „Was uns zum nächsten Punkt führt: Es ist nicht gesichert, ob diese Person überhaupt noch in Freiheit oder am Leben ist. Und selbst wenn wir vom positiven Fall ausgehen, dass die Person tatsächlich ein Verbündeter und noch in Freiheit ist, kann ich nicht erkennen, dass sie auch eine Antwort erwartet. Im besten Fall sehe ich hier nur eine Warnung, dass wir erwartet werden.“ Er blieb noch einen Moment stehen und setzte sich dann. |
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| + | „Das lässt sich alles nicht von der Hand weisen.“, bestätigte Ramirez. „Aber wie sollen wir auf die Nachricht reagieren? Wir können nicht so tun, als hätten wir sie nicht erhalten.“ |
| + | „Nein, das durchaus nicht.“, stimmte Toleen zu. „Wie gesagt, sehe ich sie als beabsichtigte oder unbeabsichtigte Warnung für uns an. An unserem generellen Ablauf ändert sich dadurch erst einmal nichts. Die Art und Weise, wie die Nachricht überbracht wurde, zeigt, dass sie zwar mit einer verdeckten Mission rechnen, aber keine Ahnung haben, was wir genau planen. Das ist ein immenser Vorteil für uns. Wir müssen jedoch größere Vorsicht walten lassen. Das betrifft den Kontakt mit den beiden romulanischen Schiffen, aber insbesondere auch die Deckung und die Tarnung des Außenteams. Hier ist die grundlegendste Änderung zum bisherigen Plan vorgesehen. Da die Spionageabwehr garantiert mit verschärften Kontrollen auf die neue Situation reagieren wird, reicht eine einfache optische Anpassung nicht mehr aus. Dies hält zwar einer ersten, oberflächlichen Überprüfung stand, aber wir müssen davon ausgehen, dass die Kontrollen tiefergehend sein werden. Hier kommt Doctor Maddigan ins Spiel. Ich habe hier eine Liste der endgültigen Mitglieder des Außenteams. Diese müssen sich einer Resequenzierung ihrer DNS unterziehen. In der Liste steht genau, wer welche DNS und welches Aussehen erhalten soll.“ |
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| + | „Wir sollen was erhalten???“, kreischte Seeta entsetzt auf. „Sie spinnen doch total!!! Ich lass mich doch nicht umgestalten wie eine Puppe!!!“ |
| + | „Das kommt gar nicht in Frage!!!“, stimmte auch Garrick ein. „Unsere Crew wird nicht einfach so verändert und in Romulaner verwandelt!! Das ist viel zu gefährlich!“ |
| + | „Ich hätte auch lieber auf ein anderes, sanftes Verfahren zurückgegriffen, aber das lässt die Situation nun mal nicht zu.“, erwiderte der Bajoraner ruhig. „Doktor, die Mitglieder müssten kurzfristig umgewandelt werden. Schaffen Sie das?“ |
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| + | Doctor Maddigan glaubte nicht, was er da hörte. Er hatte dem Wortgefecht mit offenem Mund zugehört. „Ich soll die DNS in romulanische DNS verwandeln?!? Wissen Sie, wie gefährlich das ist. Das kann zu immensen Zellschäden führen…“ |
| + | „Doktor, wenn wir es nicht tun und die Personen dann kontrolliert werden, wird der Zellschaden unumkehrbar sein. Man wird sie dann nämlich töten! Also schaffen Sie es, die Umwandlung innerhalb kürzester Zeit durchzuführen?“ |
| + | „Das ist Stress pur für den Körper. Ich müsste sie ununterbrochen überwachen. Sie müssten ab sofort von weiteren Aufgaben befreit werden. Das beträfe auch Ihren Unterricht!“ |
| + | „Ziehen Sie das wirklich in Erwägung, Doktor?“, fragte Yadeel fassungslos. „Das ist mir zu gefährlich! Ich mach da nicht mit!“ |
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| + | „Lieutenant Commander Yadeel, Sie sind hier nicht auf einem Ferienschiff, sondern auf einem Schiff, das in einer geheimen Mission im feindlichen Raum unterwegs ist. Sie können hier nicht Befehle befolgen, nur wann Sie es wollen. Sie haben sich verpflichtet!“ |
| + | „Mister Toreen, bitte mäßigen Sie sich. Noch bin ich es hier, der die Befehle gibt. Und momentan sehe ich noch nicht die Notwendigkeit, eine DNS-Veränderung zu befehlen.“, schallte Ebbersmanns Stimme durch den Raum. „Die Risiken sind mir zu groß. Ich fürchte, wir werden hier einen anderen Weg finden müssen. |
| + | Toreen atmete tief ein und stieß die Luft langsam wieder aus. „Nun gut. Captain, ich müsste sie mal unter vier Augen sprechen!“ |
| + | „Ich denke, ich habe meinen Standpunkt deutlich gemacht. Meine Entscheidung…“ |
| + | „Captain! Ich habe Informationen, die ausschließlich für Sie bestimmt sind!“ |
| + | Ebbersmann sah den Geheimdienstler scharf an, aber dieser verzog keine Miene. Schließlich seufzte der Captain resigniert. „Dann kommen Sie mit in den Bereitschaftsraum…“ |
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| + | Akida folgte Benjamin, der forschen Schrittes über den Flur in den kleinen Bereitschaftsraum eilte. Kaum hatte sich die Tür hinter den beiden geschlossen, drehte sich der ältere Mann um und trat einen Schritt auf den Bajoraner zu. „Was haben Sie mir mitzuteilen? Machen Sie es kurz, ich bin Ihre Spielchen satt. Und wehe, es ist wieder irgendeine Taktik von Ihnen…!“ |
| + | „Captain, ich versichere Ihnen, dass ich gehofft hatte, dies nicht tun zu müssen. Mir wäre es lieber gewesen, wenn wir so zu einer Vorgehensweise gekommen wären.“ |
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| + | „Hören Sie mit diesem politischen Gerede auf und kommen Sie zur Sache!“ |
| + | Toreen straffte sich und hielt Ebbersmann ein PADD hin. „Hier ist ein Schreiben von Admiral Horaki. Es setzt Sie davon in Kenntnis, dass ich die Führung der Mission innehabe. Und das schließt neben dem Missionsplan und dem Einsatz aller nötigen Ressourcen auch die Vorbereitung und Ausrüstung des Außenteams vollumfänglich ein. Sie haben natürlich weiterhin das Kommando über die Katana, sofern diese nicht als notwendige Ressource angesehen wird. Wie Sie erkennen, berechtigt mich das auch, bei dem Außenteam das Resequenzieren durchführen zu lassen. Ich hoffe jedoch, dass ich diese Vollmacht nicht vor der Crew ausspielen muss. Mir wäre es lieber, wenn es weiterhin nach den alten Machtverhältnissen aussähe.“ |
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| + | Ebbersmann überflog den Befehl des Admirals. Er gab Toreen tatsächlich weitreichende Befugnisse beim Einsatz der Katana und des Außenteams. Der Captain konnte nicht glauben, dass er mit einem Federstrich de facto entmachtet wurde. Er würde sich den Befehl noch einmal in Ruhe durchlesen und die Grenzen der Befugnisse genau feststellen. Er würde Toreen Einhalt gebieten, wenn der sie überschreiten sollte. |
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| + | Ebbersmann schaute hoch und blickte den Bajoraner mit eiskalten Augen an. „Mister Toreen. Ich sehe, Sie haben nichts dem Zufall überlassen…“ Er trat so nah an den Mann heran, dass sich ihre Köpfe fast berührten. „Aber seien Sie gewarnt. Wenn durch Ihren Fehler meine Crew zu Schaden kommt, werde ich persönlich dafür sorgen, dass man Sie in den tiefsten Kerker schmeißt und den Schlüssel wegwirft!“ |
| + | Mit diesen Worten drehte er sich weg und verließ den Bereitschaftsraum. |
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| + | Ebbersmann betrat den Besprechungsraum mit finsterer und versteinerter Miene. Toreen folgte ihm kurz darauf. Sein Gesicht spiegelte gar keine Emotionen wieder. Als sich alle wieder gesetzt hatten, ergriff der Captain das Wort. „Doktor, führen Sie die Resequenzierung durch.“ |
| + | „Aber Sir!“, widersprach sein XO sofort. |
| + | „Mister Andersson, die Entscheidung hierzu ist gefallen. Jede weitere Diskussion ist sinnlos.“ Der Tonfall und die gesamte Körperhaltung des Captain machten deutlich, dass er hiervon nicht abrücken würde, und so verstummte der aufkeimende Protest. |
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| + | „Hier sind die Spezifikationen, Doktor. Die obersten vier Personen müssten noch heute behandelt werden.“ Der Geheimdienstler reichte dem Arzt ein PADD. Der Doktor sah sich die Liste an. „Was sind das für detaillierte Spezifikationen? Und was ist das für eine Neurostimulation?“, fragte er erstaunt. |
| + | „Danke, dass Sie darauf zu sprechen kommen.“ Der Verbindungsoffizier erhob sich. „Wir haben im Vorfeld alles unternommen, um den Schutz des Außenteams soweit möglich zu gewährleisten. Statt der ursprünglichen optischen Anpassung muss jetzt leider eine genetische Anpassung vorgenommen werden. Die Mitglieder erhalten die Identitäten von echten Romulanern, die alle im Umkreis der Senatoren arbeiten: Bedienstete, Büroangestellte, niedrigere Beamte. Alles Personen, die nah genug an das Geschehen herankommen, aber zu niedrig sind, als dass man sie wirklich beachtet.“ |
| + | „Was ist mit diesen Leuten geschehen?“, fragte Andersson und verzog das Gesicht, als er in Toreens Augen sah. |
| + | „Das wollen Sie nicht wirklich wissen und ist auch nicht relevant.“, antwortete dieser ruhig. „Wichtig ist für Sie nur, dass die Identitäten somit auch einer tiefergehenden Kontrolle standhalten. Damit der Austausch aber unbemerkt vonstattengehen kann, müssen die Mitglieder des Außenteams über deren Wissen verfügen. Hierzu wenden wir ein neurostimulierendes Verfahren an, bei dem diese Informationen direkt in das Gehirn eingespielt werden. Dies erfolgt während der genetischen Anpassung. Auf das Wissen können die Mitglieder hinterher ganz intuitiv und normal zugreifen. Machen Sie sich keine Sorgen. Diese Prozedur gehört zu einem vielfach erprobten Verfahren, dem sich unsere Agenten im Undercover-Einsatz unterziehen. Ach ja: Zu diesem Wissen gehören übrigens auch erweiterte Sprachkenntnisse in Romulanisch. Auf diese Weise sollte es nahezu unmöglich sein, unser Außenteam zu entlarven.“ |
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| + | Gemurmel setzte ein, als über die neuen Informationen leise diskutiert wurde. „Gibt es dazu noch Fragen oder Anmerkungen?“, fragte Ebbersmann. Als niemand sich meldete, beendete er die Sitzung und ging umgehend hinaus. |
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| + | Natalie Bardal steckte tief in den Eingeweiden von Marks Fighter und versuchte nun schon seit geraumer Zeit, die Spulen für die Tarnvorrichtung so im Schiff unterzubringen, dass sie nicht überhitzten und ausfielen. Bisher waren etliche Tests fehl geschlagen. Schließlich richtete sie sich auf und kletterte aus der Azrael heraus. „So, nun aber.“, murmelte sie, als sie die verschiedenen Generatoren anschloss. „Charlie, ich bin dann soweit.“ „Gut, dann wollen wir mal. Auf drei. 1 – 2 – 3!“ Gleichzeitig aktivierten Natalie und Charlie die Generatoren. Das Schiff flackerte kurz auf und verschwand dann. Natalie beobachtete die Werte des Antriebs und der Tarnvorrichtung. „Werte bislang im grünen Bereich. Erhöhe die Leistung, Chief.“, meldete sie. Charlie schnaubte bei der Nennung seines Rangs. „Erhöhe auf 50%.“ „Die Werte steigen auf 70% und 68% des Maximalwertes und sind stabil. Erhöhe auf 70% Leistung.“ Nach und nach steigerten sie die Werte. |
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| + | Mark betrat den Hangar. Mittlerweile irritierte ihn der vermeintlich leere Platz nicht mehr, wo sein Fighter normalerweise stand. Beim ersten Mal hatte er mit der Hand nachfühlen müssen, ob seine Azrael noch da war. „Hey Natalie, hi Charlie. Wie läuft’s? Ist alles stabil?“, fragte er. |
| + | „Hallo Mark. Ja, die Generatoren laufen jetzt seit fünfzehn Minuten bei 110%. Und die Werte sind immer noch innerhalb der normalen Parameter. Wir werden sicherheitshalber noch bei 125% und 150% testen. Aber bislang sieht es positiv aus.“ |
| + | „Das hört sich doch gut an. Aber du hast gesagt, du willst mir noch etwas anderes zeigen?“ |
| + | „Ja, genau. Du hast doch ein paar Tage in dem Fighter vor dir. Ich habe mir da mal was für deine tägliche Hygiene ausgedacht…“ |
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| + | Garrick hatte sich heute extra eine Stunde früher frei genommen, um für Seeta etwas zu kochen. Heute hatte sie ihre erste Behandlung und würde danach sicherlich total fertig und hungrig sein. Und dann wollte er sie mit einer Reihe von dänischen Spezialitäten überraschen. Er hatte einige Fischgerichte zubereitet, und natürlich durften auch das berühmte Smørrebrød, die dänischen Hotdogs, Käse und diverse Süßspeisen nicht fehlen. Sie sollte sich nach der Anstrengung so richtig wohlfühlen. |
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| + | Der Däne war gerade dabei, den Tisch zu decken, als die Tür aufging. „Ah, Seeta. Du bist zuhause. Wie lief…“ Er drehte sich um und ließ vor Schreck die Teller herunterfallen. Sein erster Reflex war, den Sicherheitsdienst zu rufen. Vor ihm stand eine gebückte Gestalt mit schmerzverzerrtem, grünlich-grauem Gesicht. Instinktiv griff er nach einem der Messer. „Garrrrrickkk.“, schnarrte das Wesen und ließ ihn stocken. Er sah genauer hin. Und in den Augen erkannte er dann Seeta. „Oh Gott!!! Seeta, was ist denn passiert? Du siehst ja furchtbar aus!“ |
| + | Die Frau ließ sich ächzend auf einen Stuhl fallen. „Danke auch, ich liebe dich auch!“, knurrte sie. „Was soll schon passiert sein? Die Genveränderung ist passiert! Oh, geht’s mir dreckig…“ „Und trotzdem hat Doctor Maddigan dich gehen lassen?“, fragte Garrick besorgt. „Du siehst aus, als ob du ständig überwacht werden müsstest.“ |
| + | „Noch einmal Danke!“, maulte Seeta gefährlich leise. „Nein, ich habe ihn genötigt, mich nach Hause zu lassen. Wenn ich die nächsten Tage nur noch die Krankenstation sehe, werde ich auf Romulus zum Massenmörder. Ich soll morgen wiederkommen.“ |
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| + | Sie stand auf und ging ins Schlafzimmer. „Ich werde mal nach Luma sehen.“ Kurze Zeit später ertönte lautes Babygeschrei. Garrick eilte Seeta nach und nahm ihr das lärmende Bündel aus dem Arm. Sofort beruhigte sich das Kind. „Ich glaube, momentan machst du ihr nur Angst.“, meinte der Däne ruhig und legte Luma ins Bettchen. „Komm erst mal wieder zu Kräften. Ich habe extra etwas für dich gekocht. Alles dänische Spezialitäten, die du immer mal probieren wolltest.“ |
| + | „Fisch?!“, fragte Seeta schwächlich. Dann hielt sie sich die Hände vor den Mund, würgte und rannte ins Badezimmer. |
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| + | ''„Sternzeit 60189,1 Logbuch des Captains'' |
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| + | ''Wir sind an unserem ersten Treffpunkt angelangt, wo wir die ersten vier unseres Außenteams auf einen romulanischen Frachter transferieren. Ein Asteroidengürtel verhindert, dass man uns außerhalb des Systems scannen kann. Leider bedeutet das aber auch, dass wir ebenfalls blind sind und ein Schiff erst dann sehen, wenn es vor uns schwebt. Ich hoffe wirklich, dass die Crew dort kein doppeltes Spiel spielt. Leider muss ich mich hier völlig auf Lieutenant Commander Toreen verlassen – ein Zustand, der mir ganz und gar nicht gefällt.'' |
| + | ''Außerdem wird heute Lieutenant de Boer in seinem Azrael-Fighter unser Schiff verlassen und getarnt auf einem Parallelkurs nach Romulus fliegen. |
| + | Für alle Beteiligten stellen die nächsten Tage und Wochen eine besondere Herausforderung dar. Ich hoffe, die Mission verläuft erfolgreich. Es steht sehr, sehr viel auf dem Spiel.'' |
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| + | ''Captain Ebbersmann Ende.“'' |
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| + | „Mark, musst du wirklich gehen?“ Tessa hatte ihre Arme um Mark geschlungen. „Ich halte das Ganze für eine ziemlich dämliche Idee. Mir gefällt das nicht, dass du in der kleinen Nussschale tagelang irgendwo im All herumtreibst.“ |
| + | Mark legte seine Arme auch um Tessa. „Mir macht das auch keinen Spaß. Aber was soll ich machen? Es ist die einzige Chance, die wir haben.“ |
| + | „Aber wenn du dann wirklich in einen Kampfeinsatz gehen musst…“ Sie drückte sich enger an den Piloten. |
| + | „Ich glaube, dann haben wir ohnehin ein Problem. Ich werde dann alles daran setzen, dass die Katana deinen süßen Arsch aus der Gefahrenzone bringen kann.“ Er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. „Ich muss jetzt los.“ Er löste sich aus der Umarmung und schnappte sich seinen Rucksack mit den paar Sachen, die er mitnehmen konnte. Er drehte sich um zur Tür, als Tessa ihm nachrief. „Warte! Ich habe noch etwas für dich!“ Er wandte sich zu ihr um. Sie drückte ihm einen Datenkristall in die Hand. Ich habe dir hier für jeden Tag ein paar Sachen aufgespielt, damit du dich nicht langweilst… und mich nicht vergisst!“ Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn leidenschaftlich. Der Moment schien Ewigkeiten zu dauern, aber dann lösten sich ihre Lippen von den seinen. „So mein großer, starker Held. Ich hasse Abschiede, also sieh zu, dass du zum Hangar kommst. Sei vorsichtig!“ Sie küsste ihn. „Und immer nur einen Eintrag pro Tag hören!“ |
| + | Er lachte leise auf. „Ich werde daran denken.“ Er gab ihr noch einen Kuss und verschwand aus ihrem Quartier. Die Tür schloss sich. „Sei bitte vorsichtig!“, flüsterte sie leise. „Ich hab Angst um dich!“ |
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| + | Toreen Akida stand mit Ebbersmann und Andersson sowie den ersten vier Mitgliedern des Außenteams im Transporterraum 2. Sie hatten den Weg dahin abgeriegelt, so dass niemand die umgewandelten Romulaner zu Gesicht bekommen hatte. Dies sollte eine Vorsichtsmaßnahme sein, falls die Katana in Gefangenschaft geraten sollte. Lediglich der Doktor, der Captain, der XO und er selbst kannten die falsche und die wahre Identität der Personen, und so sollte es auch bleiben. |
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| + | „Sie kennen die Mission und wissen, worauf es ankommt. Seien Sie vorsichtig und gehen Sie so umsichtig wie möglich zu Werke.“, beendete der Bajoraner sein Missionsbriefing. Der Captain trat vor und wünschte allen noch einmal viel Glück und Erfolg. Man sah den vier Crewmitgliedern ihre Nervosität an. Für zwei war es die erste Außenmission im feindlichen Territorium überhaupt, die anderen beiden hatten noch nie in einer so heiklen Undercover-Aktion mitgewirkt. |
| + | Der große Däne trat noch einmal vor, Seeta ging ihm einen Schritt entgegen. Garrick räusperte sich und ergriff ihre Hand. „Schatz, sei vorsichtig. Geh kein unnötiges Risiko ein!“ „Ich werde aufpassen. Ich versprech’s.“ Sie beugte sich vor und küsste ihn. Garrick erwiderte den Kuss, brach ihn dann aber ab. „Es ist seltsam, eine Romulanerin zu küssen, auch wenn ich weiß, dass du es bist…“, murmelte er verlegen. „Schon gut.“, entgegnete Seeta und trat wieder auf die Transporterplattform. |
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| + | „Captain.“ Die Stimme des Sicherheitschefs durchschnitt den Moment der Stille. Benjamin aktivierte seinen Kommunikator. „Was gibt es?“ „Das Schiff ist angekommen und hat einen Code geschickt.“ „Leiten Sie ihn auf das Terminal hier weiter.“ |
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| + | Toreen rief den Code auf. „ Das passt. Wir werden Sie dann jetzt rüberbeamen.“ Das Außenteam zog die Kapuzen ihrer Mäntel tief ins Gesicht. Sekunden später flimmerte das bläuliche Licht des Transporterstrahls auf und die vier falschen Romulaner entmaterialisierten. |
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| + | „Sir, der romulanische Frachter dreht ab und verlässt das System.“ „Danke, Mister Ramirez.“ |
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| + | „Lieutenant Sulik. Das romulanische Schiff hat das System jetzt verlassen. Sie können den Fighter nun aussetzen.“ |
| + | „Danke, Lieutenant Commander.“ Lew drehte sich um zu Mark. „Du hast es gehört. Das Küken kann schlüpfen.“ „Oh Gott, Lew… Die Azrael ist kein Küken und die Katana keine Legehenne.“, kicherte Mark. |
| + | Natalie kam zu ihm und umarmte ihn. „Sei bitte vorsichtig.“ „Keine Angst, ich bring dir die Azrael schon wieder heil zurück.“, meinte Mark grinsend, woraufhin sie ihm in die Seite boxte. „Das mein ich nicht. Das weißt du!“ |
| + | Lews Hand landete schwer auf Marks Schulter. „Ey, Kumpel. Pass echt auf. Ich hab keinen Bock, mir einen neuen Saufkumpanen suchen zu müssen.“ „Ich hoffe, du trinkst mir in der Zwischenzeit unsere Vorräte nicht weg!“, konterte Mark. Sie schlugen ihre Hände ineinander, dann stieg der Niederländer in seinen Fighter. |
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| + | Er führte die letzten Checks durch, die er in letzter Zeit immer und immer wieder durchgeführt hatte und mittlerweile wie im Schlaf kannte. „Azrael an Katana. Ich bin bereit. Erbitte Abfluggenehmigung.“ |
| + | „Katana an Azrael. Genehmigung erteilt! Viel Glück! Wir sehen uns bald wieder!“, drang die Stimme des XO durch den Kommunikator. |
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| + | Mark startete die Maschine, winkte allen noch einmal zu und aktivierte die Tarnvorrichtung. Man konnte nur daran erkennen, dass er den Hangar verlassen hatte, dass das Kraftfeld am Außenschott kurz aufflackerte, als er hindurch flog. |
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| + | „Lieutenant Commander Andersson. Der Fighter hat die Katana verlassen.“ „Vielen Dank für die Information, Lieutenant.“ Der XO drehte sich zu dem Captain und dem Geheimdienstler um. „Wir können also mit dem nächsten Schritt fortfahren, Sir.“ |
| + | „Ausgezeichnet, Nummer Eins. Aktivieren Sie die Tarnung und fliegen Sie den nächsten Treffpunkt an.“ |
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| + | ''„Sternzeit 60189,2 Logbuch des Captains'' |
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| + | ''Wir haben den nächsten Schritt der Mission erledigt. Das erste Außenteam hat die Katana verlassen, ebenso unser Fighter.'' |
| + | ''Nun fliegen wir den nächsten Treffpunkt an. Dort werden wir zur geschätzten Sternzeit 60195,5 das zweite Außenteam absetzen. Danach geht es weiter bis nach Romulus. Diese Mission ist mit vielen Unbekannten behaftet. Sollte alles gut laufen, erreichen wir Romulus zur Sternzeit 60203,6. Ab diesem Zeitpunkt können wir nur darauf hoffen, dass unsere beiden Außenteams die Keeper und die Drakh erfolgreich entlarven können. Erst danach treten wir wieder in Aktion.'' ''Hoffentlich können wir friedlich die Rückreise antreten und müssen uns den Weg nicht freischießen.“'' |
| + | Ebbersmann überlegte einen Moment. „Computer, lösche den letzten Satz!“ |
| + | Ein Piepen bestätigte die Ausführung des Befehls. |
| + | ''„Wir werden dann den Flug in den Föderationsraum durchführen. Wir hoffen auf eine friedliche Lösung, sind aber auch auf andere Eventualitäten vorbereitet.'' |
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| + | ''Captain Ebbersmann Ende.“'' |
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| ==Lew Sulik== | | ==Lew Sulik== |