|
|
Zeile 1: |
Zeile 1: |
- | {{Logbuch_2 | + | {{Logbuch |
| | Staffel = 25 | | | Staffel = 25 |
| | Log = 247 | | | Log = 247 |
- | | Titel = Türen | + | | Titel = Der Schlüssel zur Zeit |
- | | Autor = Mark de Boer | + | | Autor = Seeta Yadeel |
- | | Autor 2 = Lew Sulik
| + | | Anfangssternzeit = 63298.45 |
- | | Anfangssternzeit = 63366.16 | + | | Endsternzeit = 63364.47 |
- | | Endsternzeit = 63366.90 | + | | Anfangsdatum = 29.04.2386 (22.29 Uhr) |
- | | Anfangsdatum = 14.05.2386, 15:34 | + | | Enddatum = 13.05.2386 (00.47 Uhr) |
- | | Enddatum = 14.05.2386, 22:04 | + | |
| | Inhalt = | | | Inhalt = |
| | | |
- | Als das kleine Raumgefährt aus der Warpgeschwindigkeit zurück in den Impulsantrieb fiel, setzte er sich mit einem einfachen Manövern hinter das Geschwader und es bedurfte nur weniger verbaler Anweisungen über Subraum um der Gruppe den Rückweg zum Heimatschiff zu befehlen. Der Rest war ein einziges Schweigen im Funkkanal bis die Gruppe aus Attac-Fightern der Spitfire-Klasse und des Azrael-Typs die USS Katana erreicht hatte und ab da an übernahm ohnehin die dortige Flugkontrolle die Koordinierung des weiteren Landeanflugs der beiden Jagdstaffeln.
| + | <b>29.04.2386</b> |
- | Dann verringerte Lieutenant Commander Lew Sulik die Geschwindigkeit seines Jägers noch weiter und schaltete dann gegen alle Sicherheitsvorkehrungen die Trägheitsdämpfer seiner kleinen Maschine ab um so die von ihm so geschätzten Fliehkräfte bei seinen Flugmanövern spüren zu können. Bei Impulsgeschwindigkeit und erst Recht bei Warp wäre dies ein tödlicher Leichtsinn gewesen, aber bei unter 1000 Kilomenter pro Stunde in einer weiten Warteschleife um das heimatliche Schiff herum noch ein kalkulierbares Risiko. Aus seinem Cockpit beobachtete er wie die anderen dreiundzwanzig Attac-Fighter seines Geschwaders nach einander durch das große Tor von Hangar 2 verschwanden bis auch endlich er an der Reihe war und seinen Landebefehl vom Kontroll-Tower der Katana erhielt. Mehr aus Eitelkeit als denn aus echter Notwendigkeit steuerte Lew seine Spitfire manuell in den Landeanflug und bestimmte bis hin zum Ausfahren des dreibeinigen Landegestells jedes Detail des Manövers selbst.
| + | |
| | | |
- | Wie üblich ließ er zunächst alle Systeme der Maschine herunterfahren und checkte selbst jede Kleinigkeit seines Fluggefährts. Als er damit fertig war löste er wie gewohnt die Gurte und setzte seinen Helm ab. Erst als sich auf einen Knopfdruck hin das Cockpitfenster zischend öffnete fiel die professionelle Konzentration von ihm ab. In diesem Moment fuhr ihm schlagartig die Wut durch alle Glieder und über jegliches Geräusch des Hangars hinweg fluchte er: „So ein verquarzter Kometenhagel!“
| + | „Computer, Licht.“ Jelara schlug die Bettdecke zurück und ging langsam hinüber zur Konsole auf ihrem Schreibtisch. Zeitgleich wickelte sie sich in ihren Morgenmantel, den sie vom Fußende ihres Bettes genommen hatte, wo das Kleidungsstück stets bereit lag. Ein weiteres Piepsen versuchte sie daran zu erinnern, dass jemand eine Verbindung zu ihr wünschte. Als ob sie das um 2 Uhr Bordzeit vergessen haben könnte. Sie verknotete den Gürtel, ließ sich in den Stuhl vor ihrem Schreibtisch sinken, glättete ihr schwarzes Haar kurz und aktivierte dann das Gerät vor ihr auf dem Schreibtisch. „Karoma!“, bemerkte sie. „Guten Morgen, Jelara!“, antwortete Karoma Atreides aus dem Gerät. |
| | | |
- | Als er die bereitgestellte Leiter hinunter stieg murmelte Lew noch weitere Flüche vor sich hin. Es waren sein Wingman Ian Piace und der Staffelführer Mark de Boer die während dessen an ihn herantraten. Mark nickte mit dem Kopf hinüber zum Ausgang zum Besprechungsraum des Geschwaders führte: „Manövernachbesprechung?“ „Was gibt es denn da noch zu besprechen?“, gab der Geschwaderführer mit bissiger Ironie zurück: „Das war ganz großer Mist da draußen! Wir haben das Manöver mit Pauken und Trompeten verloren! Punkt. Aus. Ende!“ „Ja schon...“, wandte Lieutenant Pace ein: „...aber bisher haben wir doch jedes Manöver in allen Einzelheiten nach besprochen.“ „Ach hör mir auf! Wir wissen doch alle woran es liegt.“, winkte Lew ab, als sie den Weg zu einem andern Ausgang nahmen: „Morgen müssen wir uns bei der Gesamtanalyse des Flottilen-Manövers sowieso jede Einzelheit anhören. Das reicht mir schon vollkommen...“
| + | Jelara war mit der Sternenflottendiplomatin zwar nicht befreundet, kannte und schätzte sie jedoch. Karomas Mutter Letha Ma war eine angeheiratete Cousine ihres Onkels gewesen. Auf den meisten Planeten wäre dieser verwandtschaftliche Grad nichtmal zur Sprache gekommen, auf Cardassia wurde die Familie jedoch von jeher groß geschrieben. Das galt umso mehr, wo nur so wenige Cardassianer den Krieg überlebt hatten. Neben einer Tante mütterlicherseits, war Karoma ihre einzige noch lebende Verwandte. Dass Karoma nur zur Hälfte Cardassianerin war spielte spätestens seitdem keine Rolle mehr. |
| | | |
- | ---- | + | „Wieso kontaktierst Du mich mitten in der Nacht?“, wollte Jelara dann wissen. Karoma sah sie entschuldigend an. „Auf Gemini ist es jetzt 22 Uhr 30. Viel später konnte ich Dich nicht kontaktieren“, lautete die Antwort. Eine kleine Stimme in Jelaras Hinterkopf fragte sich, ob der Zeitunterschied nicht einen günstigeren Zeitpunkt für die Unterredung zugelassen hätte. Sie entschied sich dann aber dagegen, dieser Frage nachzugehen. Lieber wollte sie den Grund für den Anruf erfahren. „Hast Du etwas von der letzten Sitzung des Detapa-Rates erfahren?“, wollte Karoma dann von ihr wissen. Jelara schüttelte den Kopf. „Von den Ketays ist nicht mehr viel übrig. Und seitdem ich auf der Reklar Dienst tue, bekomme ich noch seltener etwas von den Vorgängen zu Hause mit“, verneinte sie die Frage. |
| | | |
- | Die Tür schloss sich hinter Tessa, die sich erst einmal gegen die Wand fallen ließ und tief ausatmete. „Was für ein Scheißtag!“, murmelte sie müde und zog ihre Jacke aus. Sie sehnte sich nur noch nach einem heißen Bad und dem Bett. Sie schloss die Augen und genoss die Stille in ihrem Quartier. Schließlich seufzte sie, ging ins Badezimmer und drehte das Badewasser auf.
| + | „Der Detapa-Rat ist der Meinung, dass der Vertrag von Teraklion nachverhandelt werden muss. Nach seiner Auffassung, hat die Föderation zu wenig Rechte im Austausch für die freie Passage durch cardassianischen Raum eingeräumt“, erklärte Karoma. Jelara hob in vulkanischer Manier den Knochenkamm über ihrer linken Augenbraue. „Und was sagt die Föderation dazu?“, wollte sie wissen. Karoma beugte sich leicht vor. „Die Föderation hat in ein Austauschprogramm mit der cardassianischen Union eingewilligt“, erklärte sie. Erneut hob sich die linke Knochenkamm Jelaras. „Auf den Schiffen, die bei Gemini stationiert sind, sollen cardassianische Offiziere stationiert werden. Ich will, dass Du Dich für das Programm bewirbst“, führte Karoma weiter aus. Ein weiteres Mal hob sich der linke Knochenkamm. „Wieso?“, fragte sie dann nach. „Weil Du dafür besser geeignet bist, als irgendjemand sonst, den ich kenne“, lautete die Antwort. |
- | Schwerfällig zog sie sich aus und betrachtete sich im Spiegel. Die ersten blauen Flecken konnte sie jetzt schon erkennen. Sie rieb sich die schmerzende Schulter, die sie sich im Training böse angestoßen hatte, als sie einem simulierten Jaffa ausgewichen war.
| + | |
- | Sie stieg in die Wanne und genoss die Hitze des Wassers. Sie tauchte komplett unter und lauschte den dumpfen Geräuschen, die perfekt zu ihrem wattigen Gefühl in ihrem Kopf passten. Sie schloss die Augen und versuchte, einfach nur weg zu sein. Der Tag war wirklich nicht ihr Freund gewesen. Am liebsten würde sie ihn einfach aus ihrem Kopf waschen.
| + | |
- | Als die Lungen anfingen zu brennen, tauchte Tessa wieder auf. Sie atmete tief durch und ließ den Tag nochmal Revue passieren. Beim Training heute hatte sie sich wie eine blutige Anfängerin verhalten. Nicht ein einziges Mal war ihr in den Simulationen das gelungen, was sie tun sollte. Jedesmal war das Bravo-Team aufgrund ihres Fehlers entdeckt und liquidiert worden. Es war so schlimm, dass T’Clea sie irgendwann in die Nachhut gesteckt hatte. Und selbst da hatte sie es geschafft, ihr Team zu verraten. Sie war nur froh, dass es nur Simulationen waren und kein echter Einsatz. Und beim Nahkampftraining war sie in jede Finte von Sato gelaufen, die er ihr gestellt hatte. So dämlich hatte sie sich seit… wie lange?... nicht mehr angestellt? Seit ihrer Ausbildung wahrscheinlich. Tessa schüttelte den Kopf. „Was war heute nur los?“, fragte sie sich. Sie war so unkonzentriert. Wurde sie krank? Das würde es vermutlich erklären. „Du weißt, was los ist.“, flüsterte eine kleine Stimme in ihrem Kopf. Ja, das wusste sie tatsächlich oder ahnte es zumindest. Aber bislang hatte sie sich nicht damit auseinandersetzen können. Oder wollen?! Tessa seufzte. Das Training verlief ganz gewöhnlich, bis… ja, bis Black verkündet hatte, dass zukünftig ein Cardassianer an Bord Dienst tun würde. Unmut war sofort laut geworden, aber Tessa hatte sich wie vor den Kopf gestoßen gefühlt. Ein Cardassianer auf der Katana. Und dann noch als Sicherheitschef! Deren Skrupellosigkeit in Sicherheitsfragen war ja weithin bekannt. Und Tessa wusste, dass es stimmte…
| + | |
| | | |
- | ---- | + | ----- |
| | | |
- | 12. März 2374, Haifa, Erde
| + | <b>13.05.2386</b> |
| | | |
- | Tessa lief die Treppe herunter, als es an der Tür klingelte. „Ich geh schon!“, rief sie, aber ihre vorwitzige Schwester war schneller. „Hallo Dr. Matthews.“, begrüßte sie Tessas Kollegen. Nein, Kollege traf es nicht. Er war mehr als das. Seit einem halben Jahr trafen sie sich auch privat, aber das durften ihre Eltern nicht wissen.
| + | Rahja Preya hielt ihr Glas schräg und drehte es um seine Achse. Der darin enthaltene Rest ihres Rotweins drehte sich träge. Neben ihr betrachtete Dalen Lazarus die auf der Promenade langsam dahinziehenden Menschen träge. Der Doktor genoss die kleine Verschnaufpause, die die Sternenflotte der Katana und damit auch ihm, gewährte. Heute Morgen hatte Captain Andersson eine kleine Bombe platzen lassen, als er eröffnet hatte, dass die Sternenflotte in ein Austauschprogramm mit der cardassianischen Union eingetreten war. Fortan würde es auf vereinzelten Schiffen der Flotte caradassianische Offiziere geben. Es lag nah, mit den Schiffen des bei Gemini stationierten Verbandes anzufangen. |
- | Tessa grinste dümmlich, als sie Sam sah. Er war ein stattlicher Mann. Groß, gebildet, weltgewandt, erfolgreich. Er war der 1. Assistent von Professor Pierre Bertrand. Er war so sehr ihr Traummann, dass sie sich ein Leben ohne ihn gar nicht vorstellen wollte. Und sie wusste sehr wohl, dass sie ihre Assistenzstelle ihm zu verdanken hatte. Sie war eine gute Studentin gewesen, aber sie war nicht so vermessen, nicht zu wissen, dass sich nicht mindestens ein Dutzend bessere Studenten ebenfalls um die Assistenzstelle beworben hatten. Ohne Sam hätte sie die Stelle nicht bekommen. Das wussten auch die zwei anderen Assistentinnen des Lehrstuhls. Und sie ließen kaum eine Gelegenheit aus, sie das spüren zu lassen. Tessa versucht einfach, den beiden Hexen so gut es ging aus dem Weg zu gehen. Dies würde sich in den nächsten vier Monaten aber als ziemlich unmöglich darstellen.
| + | |
- | „Tessa, sind Sie startklar für die Expedition?“, fragte Sam sie, während er Yaels Fragen beantwortete. Tessa scheuchte ihre Schwester davon. „Ich bin aufgeregt.“, flüsterte sie leise, als sie allein waren. „Ich hoffe, ich enttäusche euch nicht.“ Sam nahm Tessas Hand. „Mach dir keine Gedanken. Du bist eine hervorragende Geologin. Und diese Expedition wird eine wunderbare Erfahrung für dich werden.“ Er küsste sie sanft, was ihr einen wohligen Schauer den Rücken herunter jagte. Zärtlich drückte sie seine Hand. Als sie ihre Mutter hörte, ließ sie hastig los.
| + | |
- | „Kind, muss denn das sein? Es ist Krieg. Und du willst jetzt wirklich irgendwelche Planeten untersuchen?“ Tessa verdrehte die Augen. „Immâ… ich bin Geologin, keine Soldatin. Mir passiert schon nichts. Außerdem ist das eine große Chance für mich. Das weißt du doch.“ „Ja, aber ich will meine Tochter nicht irgendwo im Dschungel alleine lassen.“ „Misses Goldenburg…“, schaltete sich Sam Matthews ein. „Professor Bertrand ist ein erfahrener Geologe. Er würde niemals seine Mitarbeiter in Gefahr bringen. Er hat sich im Vorfeld bei der Sternenflotte erkundigt. Lyshan IV ist strategisch uninteressant für Cardassia und das Dominion. Es besteht also kein Grund zur Sorge.“ Er warf Tessas Mutter eines dieser sonnenwarmen Lächeln zu, der sich auch Shira nicht entziehen konnte. Ihre Züge entspannten sich. Es folgte eine tränenreiche Umarmung mit ihrer Tochter. „Shira, lass mir noch etwas von meiner Tochter übrig.“ Ariel, ihr Vater, stand im Flur. „Abba!“ Tessa warf sich ihm in die Arme. „Pass auf dich auf, meine Kleine. Und zeig Ihnen, was in dir steckt.“ Er drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Er ging auf Sam zu, schüttelte ihm die Hand und sah ihm fest in die Augen. „Achten Sie gut auf meine Tochter. Ich will nicht noch ein Kind in diesem unsäglichen Krieg verlieren.“ Sam hielt den Blick und nickte stumm. Dann nahm er Tessas Tasche. „Lassen Sie uns aufbrechen, Tessa.“
| + | |
- | Sie nickte und verabschiedete sich schnell von Yael.
| + | |
| | | |
- | ----
| + | Ihm gegenüber sass Ethan Alizondo. Er selber hatte den Kommandanten von Gemini erst hier auf der Station kennengelernt. Das Universum im Allgemeinen und die Flotte im Besonderen waren aber offensichtlich ein Dorf. Alle drei Offiziere hatten zeitweise auf der Shanghai gedient. Auch wenn er selber und Alizondo nicht zur selben Zeit an Bord gewesen waren, hatten sie doch etwas gemein. Und Rahja stellte das Bindeglied zwischen ihnen dar, denn sie hatte mit beiden Offizieren seinerzeit viel Zeit an Bord verbracht. |
| | | |
- | Gegenwart
| + | „Ich bin wirklich gespannt, wer uns zugeteilt werden wird“, meinte Rahja und sah Ethan fragend an. Sie hatte an Bord der Shanghai eine enge Beziehung zu ihm gehabt und war hier schnell wieder mit ihm warm geworden. Ethan jedoch hüllte sich erwartungsgemäß in Schweigen. Er diskutierte niemals Interna – nichtmal mit einer Freundin und Kollegin, die ihm vor einigen Jahren das Leben gerettet hatte. |
| | | |
- | Tessa schüttete sich eine Handvoll Badewasser ins Gesicht. „Sam Matthews… an ihn habe ich ja schon ewig nicht mehr gedacht. Ein Cardassianer und die alten Geister stehen wieder auf.“, dachte sie melancholisch.
| + | Dalen zuckte die Schultern. „Wir werden es wie immer erfahren“, meinte er und trank sein Glas leer. Er winkte nach der Kellnerin um zu bezahlen. „Ich bin mit Adana zum Abendessen verabredet“, meinte er, bevor er von dannen zog. |
| | | |
- | ---- | + | Rahja sah Ethan unter halbgeschlossenen Liedern an. „Dann bleiben wohl nur wir beide“, meinte sie. „Hast Du eine Idee, was wir mit dem angebrochenen Nachmittag machen sollen“, fragte sie dann. Ethan lächelte sie an. „Im Zivilkomplex hat eine neue Bar eröffnet. Abends gibt es Live-Musik“, schlug er vor. Rahja lächelte ihn mit dem ihr eigenen, fast ein wenig geheimnisvollen Lächeln an, das er so gut von ihr kannte. „Hört sich wundervoll an“, meinte sie, während sie bereits der Kellnerin winkte. Die beiden Offiziere bezahlten, dann verließen sie Arm in Arm die Promenade von Gemini-Station. |
| | | |
- | Im Diners der Katana saß das gefürchtete Quartet – bestehend aus Lew Sulik, Ian Paice, Mark de Boer und Kjetil Skorgan – enttäuscht um einen Tisch und jeder starrte Gedankenverloren in sein Glas vor sich. Es war der Geschwaderführer der das Schweigen als erstes wieder durchbrach und mehr in sein Glas mit Irish Stout hinein raunte als zu seinen Kollegen: „Seit die anderen Geschwader die neuen Spitfire-Modelle der D-10er-Baureihe haben, sind wir bei jedem Manöver in Warpgeschwindigkeit haushoch unterlegen! Die schaffen Warp 7. Da gewinnen wir noch nicht mal mehr den intergalaktischen Blumentopf im Schönwetterfliegen!“
| + | ----- |
| | | |
- | „Was sollen wir dann sagen?“, erwiderte lakonisch und eben so vor sich hin starrend Mark de Boer: „Die anderen Wings haben die neuen Azrael-Typ X-03. Mit Warp 5 hängen die uns schon ab, da sind wir noch auf den Anflug auf das Ziel...“
| + | Rahja ließ ihren Blick über das Interieur des „Stardust“ gleiten. Zu ihrer linken befand sich eine langgezogene Bar mit den dazu passenden Barhockern. Eine Frau mit wildem, rotem Haar stand dahinter und schenkte Getränke an die Gäste aus, die hier Platz genommen hatten. An der rechten Wand vorbei befanden sich Nischen, die gerade so genügend Platz für kleine, runde Tische mit bis zu vier Stühlen boten. Dem Eingang gegenüber befand sich eine erhöhte Fläche, die als Bühne diente. Auf der rechten Seite befand sich ein Klavier, auf der linken Seite stand ein altmodisch anmutendes Mikrophon. Davor, zwischen Bar und Nischen, befanden sich mehr von den kleinen, runden Tischen. Auf den dunkel gehaltenen Wänden waren viele, kleine Lichter angebracht, die den Eindruck eines Sternenhimmels vermittelten. |
| | | |
- | „Wie oft hast du die Weiterentwicklungen unserer Fighter für unsere Geschwader nun schon beantragt?“, wollte Ian Paice wissen und Lew antwortete wortlos in dem er seine Hand hoch hielt und seine fünf Finger gut sichtbar in die Höhe streckte. Es war jedoch Kjetil der nachhakte: „Die können uns doch nicht auf den alten Modellen sitzen lassen? Was sagt denn der Captain dazu?“
| + | Ethan führte Rahja hinüber zur Bar, an der noch zwei Hocker nebeneinander frei waren. Die Rothaarige kam herüber und begrüßte den Stationskommander und die Counselor der Katana mit einem offenen Lächeln. „Guten Abend, Ethan. Für Sie einen Martini?“, fragte sie nach, während ihre Finger bereits zum Glas griffen. Ethan nickte und stellte die Counselor dann vor. „Das ist Rahja. Sie ist eine alte Freundin von mir. Sie dient an Bord der Katana.“ |
| | | |
- | „Der würde sogar mit machen, auch wenn er selbst jetzt nicht unbedingt die aller neusten Versionen unserer Jäger haben müsste.“, gab der Anführer der Jagdpiloten der Katana von sich und als er doch von seinem Bier aufschaute und sich auf seinem Stuhl nach hinten lehnte, seufzte er: „Aber man könnte meinen, dass das Oberkommando seit unserer Aufstockung zum Geschwader jegliche weitere Investition in die Attack-Fighter-Technik für das Katana-Projekt gestrichen hat.“
| + | Die Rothaarige nickte und stellte Ethan sein Glas hin, dann reichte sie Rahja die Hand. „Das Flagschiff. Ich schätze, es ist eine Ehre, jemanden aus der Führung des Schiffes hier zu begrüßen. Ich bin Meghan.“ Rahja drückte die angebotene Hand und meinte dann: „Bitte einen Strawberry Stardust.“ Sie hatte die Zeit, in der Meghan den Martini eingeschenkt hatte genutzt, die an der Wand hinter der Bar angebrachte Karte zu studieren. Meghan nickte. „Eine gute Wahl. Sie bekommen nirgendwo sonst so einen guten“, erklärte sie und fing dann an, die Zutaten in den Shaker zu füllen. Rahja fühlte sich in ihre Jugend zurückversetzt, als noch längst nicht alles aus dem Replikator gekommen war. |
| | | |
- | „Tja, anfangs war das hier noch ein Versuchsprojekt mit Symbolcharakter.“, erklärte sich Mark diesen Umstand: „Aber seit nun mehrere Schiffe Attac-Fighter zugeteilt bekommen haben...“ „...sind wir für zuständige Abteilung im Oberkommando nur noch ein Geschwader von vielen...“, vervollständigte Ian den Gedankengang und Kjetil legte nach: „...das man gegenüber neuen Projekten getrost vernachlässigen kann!“ „Meine Herren!“, schloss Sulik ab: „Ich sehe, sie haben verstanden! In diesem Sinne, darauf dass wir in Zukunft das Gespött der ganzen Flottille werden!“
| + | „Singt Cassie heute Abend?“, fragte Ethan, als Meghan den Drink vor Rahja abgestellt hatte. Meghan nickte. „Ja,“ beantwortete sie die Frage, dann ergänzte sie zu Rahja: „Es wird ihnen gefallen. Die Chefin singt verdammt gut.“ |
| | | |
- | Die drei hoben mit sarkastischen Minen ihre Gläser und wollten gerade ansetzen, als eine näher kommende Stimme verkündete: „Darauf würde ich an eurer Stelle noch nicht trinken!“
| + | Ein Surren über ihrem Kopf liess Rahja ihren Kopf in den Nacken legen. Ethan beugte sich zu ihr herüber. „Deshalb heißt es Stardust“, meinte er. Rahja beobachtete, wie der größte Teil der Decke sich zur Seite schob und den Blick auf den Wüstenhimmel über Gemini freigab. Gleichzeitig senkte sich das Lichtniveau in der Bar weiter ab. Einzig und alleine die Bühne blieb gut beleuchtet. Ethan tippte Rahja auf die Schulter und deutete hinüber zur Bühne, dann nahm er seinen Martini in die Hand und drehte sich herum. Rahja tat es ihm nach. Die Unterhaltungen im Raum verstummten, während eine schlanke Frau mit pechschwarzem Haar auf die Bühne trat. Das lange Abendkleid betonte ihre klassische Schönheit. |
| | | |
- | Lew schaute auf und sah seine Freundin Natalie Bardal. Er vergrub das Gesicht in den Händen und seufzte. Sie war gerade die Person die er nun am allerwenigsten sehen wollte in seiner Stimmung. Doch zu seiner und aller Verwunderung warf sie den vier ein PADD auf den mit Biergläsern zugestellten Tisch. Die Technikerin des Geschwaders zeigte auf eine technische Abbildung auf dem Display und verkündete selbstsicher: „Ich kann alle eure Maschinen auf 7,1 Marschgeschwindigkeit oder noch höher updaten. Damit hängt ihr sogar die neuen Modelle der Kosciuszko und der vonSteuben ab!“
| + | „Guten Abend, liebe Gäste“, begrüßte die Frau, die inzwischen ans Mikrophon getreten war ihre Zuschauer. „Willkommen im Stardust. Ich wünsche Ihnen einen entspannten, unterhaltsamen Abend.“ Augenblicke später erklangen die ersten Töne einer wehmütigen Melodie. Kurz nach den ersten paar Takten erklang die samtige, tiefe Stimme der Frau auf der Bühne. |
| | | |
- | Die drei schauten abwechselnd ratlos auf das PADD auf ihrem Tisch und Natalie Bardal die mit in die Hüften gestützten Armen sowie einem überlegenen Lächeln daneben stand. Dann konnte Lew Sulik nicht mehr an sich halten und mit einem irren Lachen kommentierte er: „Du willst also ganz allein das Problem lösen an dem sich sonst ganze Konstruktionsbüros herumschlagen?“
| + | <i>„And now the purple dusk of twilight time</br> |
| + | Steals across the meadows of my heart</br> |
| + | High up in the sky the little stars climb</br> |
| + | Always reminding me that we're apart“</i> |
| | | |
- | Der Gesichtsausdruck Natalies verriet daraufhin nicht nur gekränkten Technikerstolz, mit zusammengekniffenen Augen fixierte sie ihren Freund mit einem bösen Blick. Die Eiseskälte die sich nun wie ein Tuch über die Szenerie zu decken schien, lies alle am Tisch verstummen. Nur Lew verstand zu nächst nicht, bis auch bei ihm der Groschen fiel und ihm nur noch ein verlegenen „Oh“ von den Lippen kam. Der Segen zwischen beiden hing mal wieder schief.
| + | Rahjas Blick blieb auf einem roten Leuchten hängen, das vom Ausschnitt der Sängerin auszugehen schien. Sie kniff die Augen zusammen und betrachtete es genauer. |
| | | |
- | ---- | + | Es handelte sich tatsächlich um ein Bronze-Medaillon. Es war kreisrund und sehr flach. Das blutrote Leuchten ging hiervon aus. |
| | | |
- | 25. April 2374, Lyshan IV
| + | <i>„You wander down the lane and far away</br> |
| + | Leaving me a song that will not die</br> |
| + | Love is now the stardust of yesterday</br> |
| + | The music of the years gone by.“</i> |
| | | |
- | Tessa wischte sich den Schweiß vom Gesicht. Soeben hatte sie die sechste Steinprobe des Tages ins Lager gebracht. Wie befürchtet hatten sich Maria Shanning und Chloé Laurent als echte Drachen erwiesen. Als jüngstes Mitglied war sie vor allem für Zuarbeiten zuständig, und die beiden nutzten das schamlos aus. Und hier konnte Sam leider auch wenig für sie tun. Zu sehr war er mit seinem Aufgabenbereich beschäftigt. Und allzu viel Zeit hatten die beiden für sich leider auch nicht. Dafür verbrachte die gesamte Gruppe zu viel Zeit auf engstem Raum. Außerdem wollte Sam nicht, dass Professor Bertrand etwas von ihrer Affäre erfuhr.
| + | „Was trägt sie denn da im Ausschnitt?“, fragte sie bei Ethan nach. Der Stationskommandant warf einen kurzen Blick auf die Stelle und meinte dann: „Ein Bronze-Medaillon.“ Rahja nickte. „Ja,“ flüsterte sie zurück, „aber wieso leuchtet es denn so?“ Ethan runzelte die Stirn. Er sah erneut kurz auf die fragliche Stelle und meinte dann: „Das muss eine Reflektion des Lichts gewesen sein. Ich sehe nichts Leuchten“ Nun war es an Rahja die Stirn zu runzeln. Nach wie vor leuchtete das Medaillon im Ausschnitt der Sängerin blutrot. |
- | „Goldenburg. Wo bleibst du?“, hörte Tessa Chloé rufen. Sie hasste es, von den beiden so behandelt zu werden. Aber sie war zu frisch dabei, um sich wirklich wehren zu können. Und die beiden waren schlau genug, nicht zu weit zu gehen. „Goldenburg!“ „Ja, ich komme ja…“
| + | |
- | Tessa lief schnell den Pfad hinunter. Chloé erwartete sie schon mit in die Hüften gestemmten Fäusten. „Wir sind hier nicht auf der Akademie, wo man sich ausruhen kann. Wir haben einen engen Arbeitsplan und keine Zeit, ständig auf dich zu warten!“ Tessa verkniff sich eine Antwort, sondern sah die andere Frau nur grimmig an. Diese setzte gerade zu einer neuen Schimpftirade an, als rings herum Cardassianer aus den Gebüschen traten und ihre Phasergewehre auf die beiden Frauen richteten. „Sie sind in Cardassianischen Raum eingedrungen und werden sich der Spionage verantworten müssen.“
| + | |
- | Chloé schlug entsetzt die Hände vor den Mund und fing an zu wimmern. „WirsindkeineSpionewirsindkeineSpionewirsindkeineSpionewirsindkeineSpione!“ Einer der Cardassianer schlug sie k.o. Tessa sah die Männer wütend an. „Wir sind Geologen. Wir haben mit diesem Krieg nichts zu tun.“ „So so… Geologen der Föderation, die rein zufälligerweise während des Krieges in Cardassianischen Raum eindringen und Forschungen anstellen? Für wie dumm halten Sie uns? Nehmt sie mit.“ Zwei Cardassianer packten Tessa, die sich heftig wehrte, bis ihr jemand einen Gewehrkolben in den Nacken schlug und Tessas Welt im Dunkeln versank.
| + | |
| | | |
- | ---- | + | ----- |
| | | |
- | 13. Mai 2374, Lyshan IV
| + | Das Stardust hatte sich in der vergangenen halben Stunde langsam, aber stetig geleert. Meghan hatte vor einigen Minuten die Zeit gefunden, die Bar zu verlassen und einem kräftig gebauten Kellner beim Abwischen der bereits verlassenen Tische zu helfen. Noch immer lag Rahjas Blick auf der Sängerin, in deren Ausschnitt das rotglühende Medaillon hing. Die Frau stand neben einem der letzten noch besetzten Tische und verabschiedete offensichtlich die daran sitzenden Gäste. Sie blickte sich in der Bar um und kam dann auf Ethan und Rahja zu, die noch immer auf ihren Plätzen an der Bar saßen. Sie trat hinter die Theke und begrüßte dann den Stationskommandanten. „Guten Abend, Ethan. Wie hat Ihnen die Show gefallen?“, wollte sie wissen. Ethan lächelte die Frau an. „Hervorragend wie immer, Cassandra“, antwortete er ihr. |
| | | |
- | Tessa konnte kaum die Augen offen halten. Seit schätzungsweise 100 Stunden hatte sie nicht mehr geschlafen. Sie war am Ende ihrer Kräfte. Anfangs hatten sie das Adrenalin und purer Wille aufrecht gehalten. Durch die Befragungen, die Einschüchterungen, die Drohungen, die Angst. Dann hatten sie ihr irgendwelche Drogen gegeben. An diese Phase konnte sie sich nur noch bruchstückhaft erinnern. Sie wusste nicht, was mit ihr geschehen war oder wie lange sie mit Drogen vollgepumpt worden war. Danach hatten sie ihr den Schlaf entzogen. Immer wieder wurde sie am Einschlafen gehindert. Sie fühlte sich zerschlagen, und ihr Körper sah auch so aus. Sie hatte blaue Flecken, einige Wunden und Schnitte. Sie wusste nicht mehr, was passiert war. Ob sie gefoltert worden war oder sich die Verletzungen selbst zugefügt hatte. Sie konnte sich an Schreie erinnern. Ihre eigenen? Oder die der anderen? Sie wusste es nicht. Sie war sich nicht mehr sicher, ob sie Wahnvorstellungen hatte oder alles real war. Sie hatte die anderen seit Tagen nicht mehr gesehen. Sie wusste nicht, ob sie noch am Leben waren. Sie wusste nur noch, dass sie sich wünschte, es nicht mehr zu sein. Sie versuchte, sich an ihre Familie zu erinnern. Der einzige Gedanke, der ihren Lebenswillen noch aufrecht erhielt. Ein zweites Kind verlieren… ihre Eltern würden das nicht überleben.
| + | Rahja benutzte die Gelegenheit, das Medaillon genauer zu betrachten. In der Mitte befand sich eine stilisierte Sanduhr, in der der Sand beständig hin- und herzufließen schien. Cassandra bemerkte den Blick der Counselor. Rahja sah die dunkelhaarige Frau an und meinte dann: „Ein ungewöhnliches rotes Schmuckstück haben Sie da.“ |
- | Eine heftige Ohrfeige holte sie aus ihrer Gedankenwelt heraus. Sie hörte eine männliche Stimme sprechen, konnte den Lauten aber keine Bedeutung entnehmen. Eine weitere Ohrfeige, die ihr die Tränen in die Augen trieb. Mühsam blickte sie auf und starrte verständnislos in das Gesicht eines Cardassianers. Ihre Gedanken ordneten sich sehr schwerfällig. „Wenn Sie die Spionage gestehen, wird es Ihnen besser gehen. Sie müssen nur…“
| + | |
- | Tessa spürte träge eine Erschütterung und hörte Lärm und Geschrei. Es dauerte einen Moment, bis Tessa diesen Lärm als einen Kampf identifizierte. Aber dann war sie sich sicher. Draußen fand ein Kampf statt.
| + | |
- | Ein zweiter Cardassianer trat in ihr Blickfeld und rief dem ersten etwas zu. Die beiden zückten ihre Waffen und gingen hinter zwei Tischen in Deckung. Tessa war für diesen Moment völlig unwichtig für sie. Und so sah Tessa eine kleine Chance, die sie sofort nutzte. Sie beugte sich in dem Stuhl, an dem sie gefesselt war, nach vorne und sprang in kleinen Seitwärtsbewegungen auf den rechten der beiden Cardassianer zu. Bevor dieser realisierte, was sie vorhatte, warf sie sich schon mitsamt dem Stuhl auf ihn und brachte ihn zu Fall. Dabei zerbrach der Stuhl und befreite Tessa aus ihren Fesseln. Instinktiv nahm sie die Armlehne und schlug damit den Cardassianer bewusstlos. Sie nahm den Disruptor des Mannes an sich und feuerte unkontrolliert in die Richtung des anderen Mannes. Und auch wenn sie sich mit Waffen nicht auskannte, reichte es doch, dass der zweite Cardassianer sich in Deckung bringen musste. Wild feuernd lief sie zur Tür. Ein Disruptorstrahl begleitete sie aus dem Raum, verfehlte sie jedoch. Mit letzter Kraft lief sie den Flur entlang, stolperte mehr als dass sie rannte. Sie fiel hin, verlor den Disruptor, stand auf und lief weiter. Sie hatte keine Ahnung, wo sie war und wohin sie fliehen sollte. Sie hörte den anderen Cardassianer hinter ihr aufholen. Sie rannte so schnell sie konnte, aber nicht schnell genug. Der Cardassianer packte sie an der Schulter und riss sie zurück. Tessa schrie auf, frustriert, so kurz vorher zu scheitern. Wut übermannte sie, und sie nutzte den Schwung, den er ihr gab. Sie drehte sich um und schlug dem Cardassianer mit voller Kraft die Faust ins Gesicht. Dieser war total überrascht und fiel wie ein Baum. Tessa war jetzt so voller Adrenalin, dass sie sich auf ihn stürzte und ihm immer wieder ins Gesicht schlug. Sie schrie sich dabei mit jedem Schlag die Strapazen und den Hass aus dem Leib.
| + | |
- | Sie wurde gepackt und zurückgerissen. Sie schrie und wehrte sich. Strampelte mit den Beinen. „Miss... Es ist alles in Ordnung! Sie sind jetzt in Sicherheit! Miss! Wir werden Sie nach Hause bringen... Wir sind von der Sternenflotte!“
| + | |
- | Es dauerte einen Moment, bis die Worte durchdrangen. Sicherheit. Sternenflotte. Hause. Aber dann verschwand jegliche Kraft aus ihr und sie brach zusammen.
| + | |
| | | |
- | ---- | + | Cassandra verzog für einen Moment die Mine, lächelte die Counselor dann aber an. „Danke schön“, meinte sie und hielt Rahja die Hand zur Begrüßung hin. Dabei stieß sie Ethans Martini-Glas an, dessen Inhalt sich auf den Stationskommandanten ergoß. „Oh, wie ungeschickt!“, sagte Cassandra und fischte hinter der Bar ein Handtuch hervor. Ethan nahm das Handtuch entgegen und wischte damit auf seiner Uniform herum. Nach einigen Momenten reichte er es dann zurück und meinte schulterzuckend: „Es ist sowieso an der Zeit zu gehen.“ Dann rutschte er von seinem Hocker und drückte Rahja einen Kuss auf die Wange. „Wir sehen uns dann. Einen schönen Abend noch“, verabschiedete er sich von den beiden Frauen und verließ das Stardust. |
| | | |
- | Sie kam im Shuttle wieder zu Bewusstsein, das sie von Lyshan IV wegbrachte. Sie war unendlich müde. Sie sah sich um. Neben ihr saßen Sam und die anderen. Chloé wimmerte ununterbrochen, während Maria mit leerem Blick dasaß. Am meisten schockierte sie aber Sams Verfassung. Neben ihr saß ein gebrochener Mann, der bei der kleinsten Berührung zusammenzuckte.
| + | ----- |
- | Als sie ihr eigenes Spiegelbild in einer Schalttafel erblickte, war sie überrascht. Es blickte sie eine junge Frau mit wildem Blick an.
| + | |
| | | |
- | 27. August 2374, Erde
| + | „Wieso zum Geier kommt erst jetzt jemand? Ich habe wochenlang versucht, das Hauptquartier zu erreichen, bevor ich aufgegeben habe“, zischte Cassandra Rahja an. Die Counselor der Katana kam gar nicht zu Wort, so schnell sprach die Inhaberin des Stardust weiter. „Es ist ein Wunder, dass Sie mich überhaupt gefunden haben. Irgendwas muss schiefgelaufen sein. Ich konnte keine Ersatzidentität an einem der üblichen Orte finden. Und“, an dieser Stelle trat ein trauriger Gesichtsausdruck auf das schmale Gesicht der dunkelhaarigen Sängerin „Joey ist tot.“ |
| | | |
- | Tessa fühlte sich seltsam lebendig. Nach der Zeit im Gefangenenlager hatte sie recht schnell wieder mit der Arbeit begonnen. Aber es füllte sie nicht mehr aus. Sie spürte, dass sie keine Wissenschaftlerin mehr war. Was immer in dem Gefangenenlager mit ihr passiert war, es hatte sie verändert. In den Minuten des Kampfes fühlte sie sich lebendiger als zuvor. Die Welt von Sam und den anderen war ihr fremd geworden. Und auch Sam hatte sich mehr und mehr verschlossen. Er war ebenfalls zu einem anderen Menschen geworden. Er wich ihr aus, vermied jede Berührung und wollte auch nicht über das reden, was auf Lyshan IV passiert war. Er hatte sie aus seinem Leben verbannt. Und so hatte sie einen Entschluss gefasst und ihre Assistenzstelle bei Professor Bertrand gekündigt. Es war ein großer Schritt, aber sie wusste, es war das richtige.
| + | Rahja hatte zwischendrin mehrmals den Mund auf, und wieder zu gemacht. Sie hatte keine Ahnung gehabt, von was die andere Frau gesprochen hatte, jedoch im Redefluss der Sängerin keine passende Stelle zur Unterbrechung gefunden. Nachdem dieser nun zu Ende zu sein schien und die Sängerin sie fragend ansah, klappte Rahja ihren Mund wieder auf. |
- | Tessa blickte in den sonnenklaren Himmel und atmete tief ein. Sie nahm ihre Tasche und betrat das Ausbildungsgebäude der Elite Force.
| + | |
| | | |
- | ----
| + | „Welches Hauptquartier?“, fragte sie, was ihr als erstes in den Kopf kam. Es schien sich hier nicht um das Sternenflottenhauptquartier in San Francisco zu handeln, denn dies war ihrer eigenen Information nach stets problemfrei erreichbar. „Welche Ersatzpapiere? Und wer ist Joey?“, schob sie dann sofort nach, was ihr noch an Fragen einfiel. |
| | | |
- | Gegenwart
| + | Cassandra presste ihre Lippen zusammen, dann griff sie schlagartig mit schraubstockartigem Griff nach der Hand der Couselor. Sie nahm ihr Medaillon vom Hals und drückte es in die Handfläche der Couselor. Zum Erstaunen Rahjas erschien über dem Medaillon eine Art Bedienungsmenü. Cassandra schnaubte, ließ die Hand Rahjas los und hängte sich das Medaillon wieder um den Hals. „Hören Sie auf so zu tun, als ob Sie nicht wissen, von was ich spreche. Sie kommen eindeutig von Chronos“, schnaubte sie dann. Rahja hob die Schultern. „Ich weiß wirklich nicht, von was Sie sprechen“, antwortete sie. Cassandras bestimmter Blick wurde unsicher. „Wirklich nicht?“, fragte sie. Rahja nickte. „Wirklich nicht. Aber vielleicht erzählen Sie mir einfach, worum es geht? Und was das da“, sie zeigte auf das Medaillon an Cassandras Hals, „ist.“ |
| | | |
- | Tessa stieg aus der Wanne. Das Wasser war mittlerweile kühl geworden. Ihre Gefühlswelt war ziemlich durcheinander geraten. Sie wusste nicht, was sie davon halten sollte, dass ein Cardassianer an Bord kommen sollte. Cardassianer hatten ihr Schreckliches angetan. Aber gleichzeitig hatte sich eine neue Tür geöffnet. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten sah sie sich mit der Vergangenheit konfrontiert und sie wusste nicht, wie sie das Alles einordnen sollte.
| + | ----- |
- | Sie öffnete einen Kommunikationskanal. „Mark, bist du noch wach? Ich brauche dich…“
| + | |
| | | |
| + | Rahja und Cassandra saßen sich an einem Tisch vor der kleinen Bühne gegenüber. |
| + | |
| + | Cassie sah die ihr gegenübersitzende Frau nachdenklich an. Sie schien tatsächlich keine Kenntnis von Chronos zu haben. Aber wieso konnte sie dann das Medaillon bedienen? Sie musste also das Chronos-Gen haben. Aber wie sollte sie dazu gekommen sein, wenn nicht durch genetische Manipulation von Chronos? Das alles ergab keinen Sinn. Wenn sie irgendeine Chance haben wollte, wieder nach Hause zu kommen, dann blieb ihr wohl nur, der Counselor zu vertrauen. Seit mehr als 10 Jahren war sie jetzt schon hier. Und in all der Zeit, war Rahja die erste, die das Medaillon nicht nur als ein bronzefarbenes Amulett wahrnahm. Cassandra gab sich einen Ruck. Sie würde Rahja vertrauen. |
| + | |
| + | Sie hob das Medaillon an. „Welche Farbe hat es für Sie?“, fragte sie dann nach. Rahja verzog keine Miene als sie antwortete: „Rot. Welche Farbe denn sonst?“ Cassandra ließ es wieder in ihren Ausschnitt gleiten. „Für mich ist es grün. So weit ich weiß, sieht es für jeden, der es bedienen kann anders aus“, antwortete sie. |
| + | |
| + | Rahjas Blick blieb gleichmütig. Cassie fuhr fort. „Es ist ein Chronos-Schlüssel“, erklärte sie dann. Sie holte tief Luft und erzählte dann: „Chronos ist die Abkürzung für „Chrono-Historical Research and Natural Observation Society“. Ich bin eine Chronos-Historikerin. Mit Hilfe des Schlüssels können Historiker an einen beliebigen Punkt in der Vergangenheit reisen und dort historische Ereignisse aus erster Hand beobachten. Ein Traum! Es ist eine Ehre für Chronos ausgewählt zu werden. Es gibt nur 36 Plätze. Bei meinem letzten Sprung muss aber irgendwas schiefgelaufen sein. Es sollte ein relativ kurzer Sprung werden. Von Washington DC 2305 nach New York 2035. Musikgeschichte ist mein Spezialgebiet. Ich wollte an einem Konzert in der Metropolitan Opera teilnehmen. Kurz vor dem Sprung erschien eine vermummte Person im Sprungraum. Sie schob meine Kollegin Sheila vor sich her und hielt ihr ein Messer an die Kehle. Sheila hatte eine merkwürdige Apparatur um den Brustkorb. Wir wurden von der vermummten Person angewiesen, uns auf unsere Plätze zu stellen. Der Countdown für den Sprung lief schon. Im letzten Moment hat die vermummte Person Sheila von sich in die Mitte des Raumes gestossen. Was dann passierte, weiss ich nicht, weil ich gesprungen bin. Aber die Landung war unsanft. Ich bin nach hinten geschleudert worden.“ |
| + | |
| + | Cassandra machte eine Pause. Rahja versuchte ihre Gedanken zu sortieren. Das ganze ergab noch keinen Sinn. Wenn Cassandra aus dem Jahr 2305 ins Jahr 2035 gesprungen war, dann musste sie über 350 Jahre alt sein. |
| + | |
| + | Rahja fasste ihre Gedanken in Worte: „Dann müssten Sie über 350 Jahre alt sein. Und danach sehen Sie lange nicht aus“, merkte sie an. |
| + | |
| + | Cassandra nickte. „Ich bin 34 Jahre alt. Als ich meinen letzten Sprung unternommen habe, war ich 24.“ Sie machte eine Pause. „Ich kann mir das Ganze auch nicht genau erklären. Ich habe damals zusammen mit Joey überlegt, was wir tun sollen. Wir haben entschieden, dass wir weitermachen, wie abgesprochen. Das bedeutete, vom stabilen Punkt im Central Park aus mit der Metro zur Metropolitan Opera. Das Konzert von Indira Taju anhören. Dann zurück zum stabilen Punkt und von dort aus wieder nach Hause. Es war ja nur ein kurzer Trip geplant. Aber – es passte nichts zusammen. In der Metropolitan Opera war für den Abend kein Konzert mit Indira Taju geplant. Eine Online-Recherche ergab, dass es keinen Sopranistin mit dem Namen gibt. Zumindest keinen bekannten. Stattdessen waren im Programm einige Namen erwähnt, die weder Joey noch ich kannten. Bedenken Sie, dass wir Experten auf dem Gebiet der Musikgeschichte waren. Ein Irrtum war ziemlich unwahrscheinlich.“ |
| + | |
| + | Rahja liess sich das Ganze durch den Kopf gehen, dann fragte sie: „Wer war Joey? Sie erwähnten, dass er tot ist?“ |
| + | |
| + | Über Cassandras Gesicht huschte ein Schatten. „Joey war mein Partner. Chronos-Historiker reisen häufig zusammen. Und Joeys und mein Fachgebiet überschneiden sich. Joey beschäftigte sich mit den Auswirkungen der verschiedenen Kunstformen auf die Gesellschaft, während ich mich auf Musikgeschichte im Allgeinen spezialisiert habe“, erklärte sie. „In jedem Fall sind wir zum stabilen Punkt im Central Park zurückgekehrt und haben versucht den Rücksprung zu Chronos zu initialisieren. Wir haben es versucht aber beide nicht geschafft. Etliche Male. Die Schlüssel haben nur schwarze Statik angezeigt. Wie es Chronos-Protokoll vorsieht, haben wir uns dann einen Ort gesucht, an dem wir eine Weile abwarten konnten um es später nochmal zu versuchen. Wir waren ziemlich erstaunt, als wir dann feststellten, dass wir anstatt im Jahr 2035 im Jahr 2378 gelandet waren. Es ergab einfach keinen Sinn. Ergibt es nach wie vor nicht. Irgendwas muss fürchterlich schief gelaufen sein bei unserem letzten Sprung. Wir haben fast 2 Monate gewartet und immer wieder versucht, den Rücksprung zu initiieren. Danach haben wir begonnen, uns ein unauffälliges Leben auf der Erde aufzubauen. Mit unseren Kenntnissen war das nicht schwer. Wir haben uns als künstlerisch veranlagtes Pärchen ausgegeben. Wir sind von der Erde aus nach Temad-4 gezogen. Dann brach der Romulaner-Krieg aus. Ich habe gerade gearbeitet, als der Planet von den Romulanern angegriffen wurde, Joey war zu Hause.“ Cassie schluckte. „Unser Haus war ein einziger Trümmerhaufen. Er konnte nicht mehr lebend geborgen werden. Gleich nach der Beerdigung habe ich Temad verlassen und bin so weit wie möglich weg von der Frontlinie geflohen. Das war hier. Und seitdem bin ich hier“, beendete sie ihre Erzählung. |
| + | |
| + | Rahja schwieg eine Weile. Irgendwie ergab das Ganze keinen Sinn. Cassandra schien davon auszugehen, dass der Sprung sie in die falsche Zeit geführt hatte. Aber das erklärte nicht, wieso sie selber noch niemals von Chronos gehört hatte und warum es den Sopran, den Cassandra und Joey hatten hören wollen niemals gegeben hatte. |
| + | |
| + | „Sind Sie sicher, dass Sie nur in die falsche Zeit gesprungen sind?“, wollte sie dann wissen. |
| + | |
| + | Cassandra hob ein wenig hilflos die Arme. „Ich vermute, dass sich auch die Zeitlinie verändert hat. Ich konnte Chronos in den Geschichtsbüchern nicht ausmachen und auch an anderen Stellen scheint sich die Geschichte anders entwickelt zu haben, als sie mir bekannt ist.“ Rahja nickte. Das passte zu ihrer Vermutung. |
| + | |
| + | „Vielleicht sind Sie ja nicht in der falschen Zeit gelandet, sondern in einer Wirklichkeit, die parallel zu der Ihren existiert?“ |
| + | |
| + | Cassandras Antwort bestand in einem ungläubigen Gesichtausdruck. Rahja aktivierte ihren Kommunikator. „Preja an Andersson“, verlangte sie. Es dauerte einige Momente, ehe ihr ein verschlafen wirkender Captain Andersson antwortete. „Andersson hier. Wissen Sie wie spät es ist, Counselor?“, wollte er wissen. |
| + | |
| + | Rahja warf einen Blick zur Uhr. Es war fast 1 Uhr Nachts inzwischen. „Sir, ich würde Sie gerne noch sprechen. Wenn es Ihnen recht ist“, beantwortete sie die Frage. |
| + | |
| + | Eine kleine Pause entstand. „In 15 Minuten in meinem Besprechungsraum, Counselor“, beantwortete Andersson die Anfrage. „Andersson, Ende“, beendte der Captain der Katana dann das Gespräch. |
| + | |
| + | „Kommen Sie, Cassandra“, meinte Rahja, während sie aufstand. Cassandra sah sie fragend an, kam dann jedoch zu Rahja herüber, die ein Stück von dem Tisch, an dem sie gerade gesessen hatten entfernt im Raum stand. |
| + | |
| + | Rahja aktivierte ihren Kommunikator erneut. „Preja an Katana. Zwei Personen zum Beamen“, sagte sie und einige Augenblicke später löste sich das Stardust scheinbar vor den Augen der beiden Frauen auf. |
| | | |
| }} | | }} |