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- | Manõel Ramirez hatte schon beim Aufstehen ein seltsames Gefühl gehabt. Ihm hatte die ganze Mission überhaupt nicht geschmeckt. Gefangenentransporte zählten noch immer zu den Aufträgen mit den am schwersten kalkulierbaren Risiken. Er scheute freilich nicht die Gefahr an sich – mit seinem Gardemaß von 1,95m und einer „Kleiderschrankfigur“ brauchte er das auch nur selten – nein, Ramirez mochte keine Unwägbarkeiten. Meist ging bei diesen Reisen alles glatt, aber dieses Mal war ihm die Zusammensetzung der transportierten Gruppe von Beginn an suspekt gewesen. Die Gladstone verfügte über eine Besatzung von gerade mal 56 Mitgliedern, darunter ein ungewöhnlich hoher Anteil von Sicherheitskräften, was bei ihren Aufträgen jedoch einfach erforderlich war. Den letzten „echten“ Einsatz hatte dieses Schiff kurz vor der Entdeckung des bajoranischen Wurmlochs absolviert; im Dominionkrieg hatte es weit hinter der Front operiert, und an der entscheidenden Schlacht war es wegen einer zu hohen Distanz ebenfalls nicht beteiligt gewesen. Nein, dieses Schiff versah den Dienst, den die Sternenflotte eigentlich am liebsten komplett geleugnet hätte. Denn selbst in der „perfekten Gesellschaft“ der Föderation gab es ab und an Neid, Gier und all die anderen schlechten Charaktereigenschaften, die bisweilen zu Verbrechen führten. Von feindlichen Spionen und Kriegsgefangenen mal ganz zu schweigen. Auf allen Sternenflottenschiffen und -stationen wurden immer wieder Individuen in eine Arrestzelle gesteckt, aber keine dieser Einheiten war für einen längeren Aufenthalt geeignet. Hier kamen die Gladstone oder einer von fünf weiteren Gefangenentransportern ins Spiel. Sie nahmen dem jeweiligen Sicherheitschef die unliebsamen Gäste ab und brachten sie in die dafür vorgesehenen Institutionen. Der Dienst auf diesen Schiffen war nicht sonderlich beliebt, und man hatte ständig das Gefühl, vom Rest der Sternenflotte gemieden zu werden. Daher blieben abgesehen von der Führungscrew die meisten Leute kaum ein Jahr an Bord. Ramirez war seit drei Jahren hier. Irgendwie hatte ihn seit Vorgesetzter Lt. Commander Kalen immer wieder überreden können, doch noch „ein paar Wochen dranzuhängen“. Aber selbst Kalen war machtlos gegen einige Mechanismen der Flotte. In einer Woche würde Ramirez zum Lt. Cdr. befördert, das war bereits beschlossen; nur über den neuen Posten hatte man den Spanier bisher im Unklaren gelassen. Aber überall war es besser als hier – besonders heute. Geahnt hatte er es schon irgendwie am Morgen, aber seit etwas über einer Stunde besaß er Gewissheit – genau wie die übrige Besatzung, die im unteren Heck eingepfercht war, wo eigentlich die Gefangenen sitzen sollten. Die aber hatten inzwischen das Schiff übernommen. Wie es im Einzelnen vor sich gegangen war, hatte er gar nicht richtig mitbekommen, aber die zwei kleinen Kampfschiffe, die er vorhin durch die Fenster hatte erkennen können, waren daran sicher nicht unbeteiligt gewesen. Er saß nur deshalb nicht bei seinen Kameraden, weil die Steuerung von Turbolift 3 bei der Attacke mit als erstes System ausgefallen war, während sich Manõel gerade darin unterwegs zur Brücke befunden hatte, und Lt. Hayden noch geistesgegenwärtig vor der Übernahme die internen Sensoren nahezu irreparabel sabotiert hatte. Letzteres wusste Ramirez freilich nicht; er schob es lediglich auf unverschämtes Glück, dass es ihm bisher gelungen war, vier „von denen“ – wer immer „die“ auch waren – zu überwältigen. Nur trug er nach wie vor die auffällige Uniform, da leider keiner der von ihm Ausgeschalteten auch nur ansatzweise seine Kleidergröße hatte. Und die Crewquartiere wurden überraschend scharf bewacht. Entweder waren aus Platzmangel einige seiner Kameraden dort untergebracht worden, oder Grennock vermutete, dass ihnen jemand entgangen war. Grennock. Wilson Grennock. Der Sternenflottengeheimdienst hatte ihn als verhältnismäßig niedrigen Angehörigen des Orionsyndikats eingestuft. Da musste einer dieser Sesselfurzer ganz ordentlich was verdreht haben; Ramirez hatte ihm gleich, als er an Bord gebracht wurde, angesehen, dass der Mann mehr daran gewöhnt war, Befehle zu geben, als sie zu empfangen. Aber ihn hatte ja mal wieder niemand gefragt. Manchmal hasste Manõel es, wenn er Recht behielt – wie z.B. in diesem Fall: Offenbar war Grennock von Beginn an der Anführer dieses Aufstands gewesen. Jedenfalls war es seine Stimme, die durch die Lautsprecher drang; Ramirez verstand zwar – offenbar war auch dieses System in Mitleidenschaft gezogen worden – nur Bruchstücke, aber der Tonfall war einmalig. Obwohl sie erst seit drei Tagen unterwegs waren, hatte sich ihm diese Stimme eingeprägt; er wusste nicht einmal genau, wieso. Momentan hatte er sowieso dringendere Sorgen. Alleine konnte er das Schiff nicht zurück erobern, so viel stand fest. Also benötigte er Verstärkung. Die Wachen im Bereich der Crewquartiere konnte er unmöglich schlagen; davon hatte er sich durch einen Blick über den Flur gerade noch rechtzeitig überzeugen können, bevor er ebendieses versucht hätte. Somit blieb ihm nur die vage Hoffnung, dass sich wenigstens ein Teil der Besatzung im vor langer Zeit zum mobilen Gefängnis umgebauten Frachtraum befand und dort vielleicht eine Chance auf Befreiung bestand. Wenigstens die Jeffriesröhren der Gladstone waren noch einigermaßen heil, so dass Ramirez sie nutzen konnte, um den drei Decks tiefer liegenden Frachtraum zu erreichen. Zwischendurch hörte er immer wieder Grennock durch die Lautsprecher verschiedene Namen bellen – er zweifelte nicht daran, dass diese Namen zu den Leuten gehörten, die er bereits ins Land der Träume geschickt hatte. Das passte Manõel überhaupt nicht, denn das hieß, dass seine Gegner gewarnt waren. | + | Manõel Ramirez hatte schon beim Aufstehen ein seltsames Gefühl gehabt. Ihm hatte die ganze Mission überhaupt nicht geschmeckt. Gefangenentransporte zählten noch immer zu den Aufträgen mit den am schwersten kalkulierbaren Risiken. Er scheute freilich nicht die Gefahr an sich – mit seinem Gardemaß von 1,95m und einer „Kleiderschrankfigur“ brauchte er das auch nur selten – nein, Ramirez mochte keine Unwägbarkeiten. Meist ging bei diesen Reisen alles glatt, aber dieses Mal war ihm die Zusammensetzung der transportierten Gruppe von Beginn an suspekt gewesen. Die Gladstone verfügte über eine Besatzung von gerade mal 56 Mitgliedern, darunter ein ungewöhnlich hoher Anteil von Sicherheitskräften, was bei ihren Aufträgen jedoch einfach erforderlich war. |
| + | Den letzten „echten“ Einsatz hatte dieses Schiff kurz vor der Entdeckung des bajoranischen Wurmlochs absolviert; im Dominionkrieg hatte es weit hinter der Front operiert, und an der entscheidenden Schlacht war es wegen einer zu hohen Distanz ebenfalls nicht beteiligt gewesen. Nein, dieses Schiff versah den Dienst, den die Sternenflotte eigentlich am liebsten komplett geleugnet hätte. Denn selbst in der „perfekten Gesellschaft“ der Föderation gab es ab und an Neid, Gier und all die anderen schlechten Charaktereigenschaften, die bisweilen zu Verbrechen führten. Von feindlichen Spionen und Kriegsgefangenen mal ganz zu schweigen. Auf allen Sternenflottenschiffen und -stationen wurden immer wieder Individuen in eine Arrestzelle gesteckt, aber keine dieser Einheiten war für einen längeren Aufenthalt geeignet. Hier kamen die Gladstone oder einer von fünf weiteren Gefangenentransportern ins Spiel. Sie nahmen dem jeweiligen Sicherheitschef die unliebsamen Gäste ab und brachten sie in die dafür vorgesehenen Institutionen. Der Dienst auf diesen Schiffen war nicht sonderlich beliebt, und man hatte ständig das Gefühl, vom Rest der Sternenflotte gemieden zu werden. Daher blieben abgesehen von der Führungscrew die meisten Leute kaum ein Jahr an Bord. Ramirez war seit drei Jahren hier. Irgendwie hatte ihn seit Vorgesetzter Lt. Commander Kalen immer wieder überreden können, doch noch „ein paar Wochen dranzuhängen“. Aber selbst Kalen war machtlos gegen einige Mechanismen der Flotte. In einer Woche würde Ramirez zum Lt. Cdr. befördert, das war bereits beschlossen; nur über den neuen Posten hatte man den Spanier bisher im Unklaren gelassen. Aber überall war es besser als hier – besonders heute. Geahnt hatte er es schon irgendwie am Morgen, aber seit etwas über einer Stunde besaß er Gewissheit – genau wie die übrige Besatzung, die im unteren Heck eingepfercht war, wo eigentlich die Gefangenen sitzen sollten. Die aber hatten inzwischen das Schiff übernommen. Wie es im Einzelnen vor sich gegangen war, hatte er gar nicht richtig mitbekommen, aber die zwei kleinen Kampfschiffe, die er vorhin durch die Fenster hatte erkennen können, waren daran sicher nicht unbeteiligt gewesen. Er saß nur deshalb nicht bei seinen Kameraden, weil die Steuerung von Turbolift 3 bei der Attacke mit als erstes System ausgefallen war, während sich Manõel gerade darin unterwegs zur Brücke befunden hatte, und Lt. Hayden noch geistesgegenwärtig vor der Übernahme die internen Sensoren nahezu irreparabel sabotiert hatte. Letzteres wusste Ramirez freilich nicht; er schob es lediglich auf unverschämtes Glück, dass es ihm bisher gelungen war, vier „von denen“ – wer immer „die“ auch waren – zu überwältigen. Nur trug er nach wie vor die auffällige Uniform, da leider keiner der von ihm Ausgeschalteten auch nur ansatzweise seine Kleidergröße hatte. Und die Crewquartiere wurden überraschend scharf bewacht. Entweder waren aus Platzmangel einige seiner Kameraden dort untergebracht worden, oder Grennock vermutete, dass ihnen jemand entgangen war. Grennock. Wilson Grennock. Der Sternenflottengeheimdienst hatte ihn als verhältnismäßig niedrigen Angehörigen des Orionsyndikats eingestuft. Da musste einer dieser Sesselfurzer ganz ordentlich was verdreht haben; Ramirez hatte ihm gleich, als er an Bord gebracht wurde, angesehen, dass der Mann mehr daran gewöhnt war, Befehle zu geben, als sie zu empfangen. Aber ihn hatte ja mal wieder niemand gefragt. Manchmal hasste Manõel es, wenn er Recht behielt – wie z.B. in diesem Fall: Offenbar war Grennock von Beginn an der Anführer dieses Aufstands gewesen. Jedenfalls war es seine Stimme, die durch die Lautsprecher drang; Ramirez verstand zwar – offenbar war auch dieses System in Mitleidenschaft gezogen worden – nur Bruchstücke, aber der Tonfall war einmalig. Obwohl sie erst seit drei Tagen unterwegs waren, hatte sich ihm diese Stimme eingeprägt; er wusste nicht einmal genau, wieso. Momentan hatte er sowieso dringendere Sorgen. |
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| + | Alleine konnte er das Schiff nicht zurück erobern, so viel stand fest. Also benötigte er Verstärkung. Die Wachen im Bereich der Crewquartiere konnte er unmöglich schlagen; davon hatte er sich durch einen Blick über den Flur gerade noch rechtzeitig überzeugen können, bevor er ebendieses versucht hätte. Somit blieb ihm nur die vage Hoffnung, dass sich wenigstens ein Teil der Besatzung im vor langer Zeit zum mobilen Gefängnis umgebauten Frachtraum befand und dort vielleicht eine Chance auf Befreiung bestand. Wenigstens die Jeffriesröhren der Gladstone waren noch einigermaßen heil, so dass Ramirez sie nutzen konnte, um den drei Decks tiefer liegenden Frachtraum zu erreichen. Zwischendurch hörte er immer wieder Grennock durch die Lautsprecher verschiedene Namen bellen – er zweifelte nicht daran, dass diese Namen zu den Leuten gehörten, die er bereits ins Land der Träume geschickt hatte. Das passte Manõel überhaupt nicht, denn das hieß, dass seine Gegner gewarnt waren. |
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| Elaine Willowby hatte noch immer nicht recht begriffen, was eigentlich passiert war. Während des Angriffs war plötzlich ein bis an die Zähne bewaffneter Trupp vor ihr und Fatil aufgetaucht und hatte verlangt, dass sie die Zellen öffneten. Widerstand wäre völlig zwecklos gewesen, so dass die beiden sich jetzt mit 33 weiteren Crewmitgliedern auf der anderen Seite der Kraftfelder befanden. Auf der Gladstone entsprach praktisch nichts auch nur ansatzweise dem neuesten Stand der Technik – mit Ausnahme des Arrestbereichs, wie Willowby und die anderen gerade leidvoll feststellen mussten. Die Zellen waren ohne Werkzeug oder Hilfe von außen absolut ausbruchssicher. Frustriert saß sie mit dem Rücken an die Zellenwand gelehnt auf dem Boden, als die Abdeckung hinter ihr plötzlich kaum merklich vibrierte. Sie hätte dies selbst gar nicht wahrgenommen, wenn nicht auch eine Stimme leise zu hören gewesen wäre, die zu fluchen schien. Es klang wie „Bramba.“ Wenngleich Elaine den Sinn dieser Aussage nicht zu erfassen vermochte, überlegte sie jedoch fieberhaft, woher die Geräusche kommen konnten. Irgendwo hinter der Wand verlief eine Jeffriesröhre, so viel wusste sie. Da die Angreifer das Schiff fest in der Hand hatten, krabbelte wohl keiner von denen darin herum. Folglich... Folglich musste jemand entkommen sein! Aber wer? Sie ging zu Fatil hinüber und stubste ihn an, da er eingeschlafen war. Brummelnd öffnete er die Augen, nur um sie gleich wieder zu schließen und sich auf die andere Seite zu drehen. Erneut stubste sie ihn, dieses Mal etwas heftiger. Fatil drehte sich zurück und sah sie grimmig an. „Was soll das?“, zischte er. Elaine hielt den Zeigefinger vor den Mund, ging in die Hocke und flüsterte: „Wer fehlt hier?“ „Was?“ „Wer fehlt hier? Von der Crew, meine ich. Wer müsste hier mit uns eingesperrt sein, ist es aber nicht?“ „Na, die Führungscrew. Die haben sie doch in den Quartieren eingeschlossen – jedenfalls behaupten sie das. Und diejenigen, die im Schlaf von dem Überfall überrascht wurden, durften ebenfalls gleich in ihren Kojen bleiben – letztere beneide ich irgendwie.“ „Das meinte ich nicht, alte Schlafmütze“, entgegnete Willowby. „Es fehlt noch jemand.“ „Hm?“ „Ich habe gesagt: 'Es fehlt noch jemand.' Ich komme nur nicht drauf, wer. Jemand müsste hier mit uns eingesperrt sein, ist es aber nicht.“ „Blödsinn.“ „Dieser 'Blödsinn' befindet sich vermutlich gerade in Jeffriesröhre 5B.“ Schlagartig war Fatil vollkommen wach: „Aber die ist doch...“ „... genau dahinter, ja. Willowby deutete auf die Rückwand der Zelle. Fatil fuhr hoch und schüttelte sich kurz. Dann begann er, laut zu überlegen: „Jennings, Hured und Gaylton sitzen gegenüber.“ Willowby fuhr fort: „Darmol, Hunter und Masterson links daneben. Auf der anderen Seite Zane, Barks und Rutan.“ „Rutan? Für gewöhnlich schiebt doch Ramirez mit den Beiden Schicht.“ „Hast du schon während des Diensts geschlafen?“, fragte Willowby spöttisch. „Ramirez wurde doch kurz vor Beginn des Angriffs zur Brücke...“ Elaine stockte mitten im Satz. Die Beiden sahen sich direkt in die Augen. „Vielleicht sitzt er in einer anderen Zelle, die wir nicht einsehen können?“, meinte Fatil. „Wäre möglich. Wie finden wir das heraus? Wenn wir mit denen da drüben sprechen, hören uns die Wachen.“ „Tja...“ – Fatil rieb sich das Kinn – „... schon mal 'Scharade' gespielt?“ | | Elaine Willowby hatte noch immer nicht recht begriffen, was eigentlich passiert war. Während des Angriffs war plötzlich ein bis an die Zähne bewaffneter Trupp vor ihr und Fatil aufgetaucht und hatte verlangt, dass sie die Zellen öffneten. Widerstand wäre völlig zwecklos gewesen, so dass die beiden sich jetzt mit 33 weiteren Crewmitgliedern auf der anderen Seite der Kraftfelder befanden. Auf der Gladstone entsprach praktisch nichts auch nur ansatzweise dem neuesten Stand der Technik – mit Ausnahme des Arrestbereichs, wie Willowby und die anderen gerade leidvoll feststellen mussten. Die Zellen waren ohne Werkzeug oder Hilfe von außen absolut ausbruchssicher. Frustriert saß sie mit dem Rücken an die Zellenwand gelehnt auf dem Boden, als die Abdeckung hinter ihr plötzlich kaum merklich vibrierte. Sie hätte dies selbst gar nicht wahrgenommen, wenn nicht auch eine Stimme leise zu hören gewesen wäre, die zu fluchen schien. Es klang wie „Bramba.“ Wenngleich Elaine den Sinn dieser Aussage nicht zu erfassen vermochte, überlegte sie jedoch fieberhaft, woher die Geräusche kommen konnten. Irgendwo hinter der Wand verlief eine Jeffriesröhre, so viel wusste sie. Da die Angreifer das Schiff fest in der Hand hatten, krabbelte wohl keiner von denen darin herum. Folglich... Folglich musste jemand entkommen sein! Aber wer? Sie ging zu Fatil hinüber und stubste ihn an, da er eingeschlafen war. Brummelnd öffnete er die Augen, nur um sie gleich wieder zu schließen und sich auf die andere Seite zu drehen. Erneut stubste sie ihn, dieses Mal etwas heftiger. Fatil drehte sich zurück und sah sie grimmig an. „Was soll das?“, zischte er. Elaine hielt den Zeigefinger vor den Mund, ging in die Hocke und flüsterte: „Wer fehlt hier?“ „Was?“ „Wer fehlt hier? Von der Crew, meine ich. Wer müsste hier mit uns eingesperrt sein, ist es aber nicht?“ „Na, die Führungscrew. Die haben sie doch in den Quartieren eingeschlossen – jedenfalls behaupten sie das. Und diejenigen, die im Schlaf von dem Überfall überrascht wurden, durften ebenfalls gleich in ihren Kojen bleiben – letztere beneide ich irgendwie.“ „Das meinte ich nicht, alte Schlafmütze“, entgegnete Willowby. „Es fehlt noch jemand.“ „Hm?“ „Ich habe gesagt: 'Es fehlt noch jemand.' Ich komme nur nicht drauf, wer. Jemand müsste hier mit uns eingesperrt sein, ist es aber nicht.“ „Blödsinn.“ „Dieser 'Blödsinn' befindet sich vermutlich gerade in Jeffriesröhre 5B.“ Schlagartig war Fatil vollkommen wach: „Aber die ist doch...“ „... genau dahinter, ja. Willowby deutete auf die Rückwand der Zelle. Fatil fuhr hoch und schüttelte sich kurz. Dann begann er, laut zu überlegen: „Jennings, Hured und Gaylton sitzen gegenüber.“ Willowby fuhr fort: „Darmol, Hunter und Masterson links daneben. Auf der anderen Seite Zane, Barks und Rutan.“ „Rutan? Für gewöhnlich schiebt doch Ramirez mit den Beiden Schicht.“ „Hast du schon während des Diensts geschlafen?“, fragte Willowby spöttisch. „Ramirez wurde doch kurz vor Beginn des Angriffs zur Brücke...“ Elaine stockte mitten im Satz. Die Beiden sahen sich direkt in die Augen. „Vielleicht sitzt er in einer anderen Zelle, die wir nicht einsehen können?“, meinte Fatil. „Wäre möglich. Wie finden wir das heraus? Wenn wir mit denen da drüben sprechen, hören uns die Wachen.“ „Tja...“ – Fatil rieb sich das Kinn – „... schon mal 'Scharade' gespielt?“ |
Version vom 28. März 2014, 20:16 Uhr
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